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Gregor v. Nazianz († 390) - Reden
XVIII. Rede

12.

Die Mutter erbat und erhoffte das, was mehr die Leidenschaft ihres Glaubens als die der Jugend wünschte. Das Vertrauen anderer auf die Gegenwart war nicht größer als ihr Vertrauen auf die erhoffte Zukunft; sie kannte ja bereits aus Erfahrung Gottes Güte. Zum Heile gereichten dem Vater einerseits sein klares Denken, das immer mehr zu retten vermag, anderseits Träume, wodurch Gott oftmals solchen hilft, welche des Heiles würdig sind. Was sah er im Traume? Das Schönste will ich erzählen. Es war ihm im Traume, als würde er ― was er früher trotz der vielen inständigen Gebete seiner Frau noch nie getan hatte ― aus den Psalmen des trefflichen David die Worte singen: „Ich freute mich über die, welche zu mir sagten: In das Haus des Herrn werden wir einziehen1.“ Der Psalmengesang war ihm fremd. Aber mit dem Gesang wurde zugleich das in demselben ausgesprochene Verlangen (nach dem Hause Gottes) wach. Als die Mutter merkte, [S. 362] daß ihr Gebet erhört worden war, benützte sie sofort die Gelegenheit, legte den Traum günstig und wahrheitsgemäß aus, erklärte mit Freuden die Größe der angenehmen Offenbarung und eilte mit der Konversion, damit sich ja kein Hindernis der Gnade in den Weg lege und ihren Wunsch vereitle. Es war gerade damals, als mehrere Bischöfe nach Nicäa eilten, um gegen den arianischen Wahnsinn Stellung zu nehmen, der von neuem sich erhob, die Gottheit zu teilen, da wandte sich mein Vater an Gott und die Lehrer der Wahrheit, sprach offen seinen Wunsch aus und bat, ihn an der allen gemeinsamen Erlösung teilnehmen zu lassen. Unter den Bischöfen war der berühmte Leontius, der damals an der Spitze unserer Metropole stand. Gegen die Gnade würde ich mich schwer versündigen, wenn ich nicht von jenem Wunder erzählen würde, welches die Gnade damals gewirkt hatte. Nicht wenige waren Zeugen des Wunders. Da die diensttuenden Katecheten einen Ritusfehler machten, deutete die (hier wirkende) Gnade das Kommende an; schon mit der Katechese wurde die Priesterweihe verbunden. Eine unfreiwillige Weihe! Als er auf den Knien lag, wurde er durch die Worte der Katechese in einer Weise aufgerichtet, daß viele Anwesende, und zwar nicht bloß die geistig höher Stehenden, sondern auch die weniger Begabten, gestützt auf die nicht dunklen Vorgänge, die Zukunft voraussagten2.

1: Ps. 121, 1 [hebr. Ps. 122, 1].
2: Die Katecheten hatten wohl aus Versehen ein falsches Gebet, und zwar jenes, welches bei der Priesterweihe benützt wurde, verrichtet.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger