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Gregor v. Nazianz († 390) - Reden
XVIII. Rede

11.

Ich schweige von ihren weniger bekannten Bräuchen, deren Zeuge Gott ist und die treuen Dienerinnen, welchen sie ihr Tun und Lassen anvertraut hatte. Von mir zu sprechen, geziemt sich wohl nicht, denn ich bin nicht würdig der Hoffnungen, die sie auf mich gesetzt hatte. Allerdings hatte sie das Große gewagt und uns ohne Angst vor der Zukunft schon vor der Geburt Gott versprochen und sofort nach der Geburt auch Gott geweiht. Gott hatte sie es zu verdanken, daß ihr Gebet nicht ganz umsonst war und ihr Opfer angenehm wurde. Das Gebet wurde bereits erhört, das Opfer aber, durch teilweise Zusätze vermehrt, lag in der Zukunft. Wie die Sonne durch ihre Morgenstrahlen sanftes Licht verbreitet, am Mittag aber wärmer und heller wird, so strahlte die Frömmigkeit der Mutter zunächst nicht unbedeutendes Licht aus, um schließlich aber noch heller zu leuchten. Der Vater empfing damals, nachdem er sie heimgeführt hatte, zu Hause von ihr nicht wenig Anregung zu gottgefälligem Leben; denn schon frühzeitig wurde ihr von den Ahnen Liebe zu Gott und Christus eingepflanzt und das Erbe, das sie von den Eltern hatte, war die Tugend. Nicht war sie, [S. 361] wie ihr Mann, von einem wilden Ölbaume auf einen edlen Ölbaum gepfropft worden. In ihrem Glaubenseifer konnte sie es nicht ertragen, daß sie nicht beide unter das gleiche Joch gespannt waren. Obwohl sie die stärkste und männlichste unter den Frauen war, vermochte sie es nicht hinzunehmen, daß sie nur halb und halb, in Zerspaltung sich mit Gott vereinen; nicht nur die Körper, auch die Seelen sollten verbunden sein. Tag und Nacht warf sie sich daher vor Gott nieder und bat ihn unter vielem Fasten und vielen Tränen, ihr Haupt zu retten. Eifrig drang sie in ihren Mann und suchte ihn auf alle mögliche Weise, durch Vorwürfe, Belehrungen, Gefälligkeiten, Zurückhaltung zu gewinnen, vor allem aber durch ihre Persönlichkeit und durch zarte Ehrfurcht, wodurch eine Seele am ehesten zur Nachgiebigkeit veranlaßt wird, so daß sie sich gerne auf den Weg der Tugend führen läßt. Steter Tropfen sollte den Stein höhlen und mit der Zeit das bewirken, was sie erstrebte. Aus folgendem wird es sich ergeben.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger