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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo XXI-XXX: Zehn Predigten am Geburtsfeste unseres Herrn Jesu Christi.
Sermo XXIV. 4. Predigt auf Weihnachten.

2.

Frohlocken mögen also im Herrn die Gerechten, frohlocken zum Preise Gottes die Herzen der Gläubigen! Und dankbar mögen die Menschenkinder seine Wundertaten anerkennen! Ersieht doch gerade aus d i e s e m Werke Gottes unsere Niedrigkeit, in welch großem Ansehen sie bei ihrem Schöpfer stand. Obwohl er nämlich dem Menschen bei seiner Erschaffung viel gab, indem er uns nach seinem Bildnisse formte, so tat er doch noch weit mehr für unsere Erlösung, indem der Herr selbst sich in Knechtsgestalt hüllte. Denn mag auch alles, was der Schöpfer seinem Geschöpfe zuwendet, in ein und derselben Liebe seinen Ursprung haben, so ist doch weniger wunderbar, wenn der Mensch sich zu Göttlichem aufschwingt, als wenn Gott sich zu Menschlichem herabläßt. Würde aber der allmächtige Gott in seiner Gnade dies nicht tun, so könnte keine Art der Gerechtigkeit, keine Form der Weisheit irgend jemand aus der Gefangenschaft des Satans und den Abgründen des ewigen Todes befreien. Das Verdammungsurteil, das mit der Sünde von einem auf alle überging, würde fort und fort dauern und unsere durch tödliche Wunde dem Siechtume verfallene Natur keinerlei Genesung finden, weil sie nicht imstande wäre, aus eigener Kraft eine Änderung ihrer Lage herbeizuführen. Der erste Mensch erhielt die Substanz seines Fleisches aus der Erde und wurde durch den Odem des Schöpfers mit seinem vernunftbegabten Geiste beseelt1 , auf daß er nach dem Vorbilde dessen lebe, der ihn erschaffen hat, und so, wie in einem blinkenden Spiegel, ein Abbild der göttlichen Güte und Gerechtigkeit in glänzenden Taten der Nacheiferung erkennen lasse. Wenn er diese so herrliche Würde seiner Natur durch Beobachtung des gegebenen Gebotes beharrlichen Sinnes gepflegt hätte, so würde sein unverdorbener Geist auch den seiner Beschaffenheit nach der Erde entstammenden Leib zu himmlischer Glorie geführt haben. Aber da er unbesonnener und unglücklicherweise dem neidischen Betrüger Glauben schenkte2 und im Einverständnisse mit dessen überheblichen Einflüsterungen den ihm noch vorbehaltenen Zuwachs an Ehre lieber an sich reißen als verdienen wollte, so bekam nicht allein jener erste Mensch, sondern in ihm auch seine ganze Nachkommenschaft die Worte zu hören: "Erde bist du und zur Erde wirst du gehen"3 . "Wie also der Irdische, so auch die Irdischen"4 . Niemand ist unsterblich, da niemand vom Himmel ist5 .

1: Gen 2,7
2: Gen 3,6
3: Gen 3,19
4: 1 Kor 15,48
5: vgl.1 Kor 15,47

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger