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Apostolische Väter - Der Hirte des Hermas
III. Gleichnisse

Zweites Gleichnis.

Die Gaben des Reichen an die Armen werden durch das Gebet der Armen von Gott belohnt.

1. Als ich spazieren ging in meinem Acker und dabei Ulme und Weinstock betrachtete und mir so meine Gedanken über sie und ihre Früchte machte, da erschien mir der Hirte und sprach: „Was denkst du bei dir über die Ulme und den Weinstock?“ „Ich finde, [Herr,] dass sie vorzüglich zueinander passen.“ 2. „Diese beiden Pflanzen sind zum Abbild gesetzt für die Diener Gottes.“ „Ich möchte gerne die Bedeutung der Gesträuche, von denen du redest, kennen lernen.“ „Siehst du die Ulme und den Weinstock?“ „Ja, Herr.“ 3. „Der Weinstock hier trägt Früchte, die Ulme aber ist ein unfruchtbarer Baum; wenn sich aber der Weinstock nicht an der Ulme emporrankt, kann er keine Frucht bringen, weil er zu sehr am Boden kriecht, und wenn er Frucht trägt, so verfault sie, weil der Weinstock nicht an der Ulme sich emporwindet. Wenn also der Weinstock an der Ulme emporwächst, dann trägt er sowohl von sich selbst aus Frucht und zugleich wegen der Ulme. 4. Du siehst also, dass sowohl die Ulme viel Frucht hervorbringt, und zwar nicht weniger als der Weinstock, eher aber noch mehr.“ [ „Wie sogar noch mehr, Herr?“] „Weil der Weinstock, wenn er an der Ulme emporwächst, viele und gute, wenn er aber am Boden kriecht, faulige und wenige Früchte bringt. Dieses Gleichnis bezieht sich nun auf die Diener Gottes, auf die Armen und die Reichen.“ 5. „Sage mir, Herr, wie sich das verhält.“ „Merke auf! Der Reiche hat zwar ein großes Vermögen, aber dem [S. 231] Herrn gegenüber ist er ein Bettler; er gibt sich zuviel mit seinem Reichtum ab, und allzu kurz verrichtet er sein Bekenntnis und sein Gebet zu dem Herrn, und wenn er es verrichtet, so ist es kurz, schwächlich und ohne Kraft nach oben. Wenn nun der Reiche zu dem Armen geht und ihm das Mangelnde gibt im Glauben, dass, was er dem Armen tut, seinen Lohn bei Gott finden wird - weil der Arme reich ist durch sein Gebet und sein Bekenntnis und weil sein Gebet gar viel vermag bei Gott -, so gewährt also der Reiche dem Armen alles ohne Bedenken. 6. Der Arme aber, dem von dem Reichen aufgeholfen wurde, betet für ihn, indem er Gott dankt wegen seines Wohltäters. Und jener fährt in seiner Sorge um den Armen fort, damit diesem während seines Lebens nichts abgehe; denn er weiß, dass das Gebet des Armen wohlgefällig und vielvermögend ist bei Gott. 7. Durch die Mitwirkung beider wird das Ziel erreicht; der Arme verrichtet sein Gebet, in dem er reich ist und das ihm Gott verliehen; dies gibt er als Entgelt dem Herrn, der ihm geholfen hat. Und der Reiche gibt gleicherweise den Reichtum, den er vom Herrn empfangen hat, ohne Bedenken dem Armen. Und dieses Werk ist groß und angenehm vor Gott, weil er in richtiger Beurteilung seines Reichtums die Gaben Gottes für die Armen verwendete und so seine Aufgabe richtig erfüllte. 8. Bei den Menschen herrscht die Meinung, dass die Ulme keine Frucht trage; sie wissen und verstehen nicht, dass zur Zeit der Dürre die Ulme mit ihrer Feuchtigkeit den Weinstock tränkt und dass dieser, stets mit Feuchtigkeit versorgt, doppelte Frucht bringt sowohl für sich als auch für die Ulme. So vermehren auch die Armen durch ihr Gebet für die Reichen zum Herrn deren Reichtum, und umgekehrt sorgen die Reichen, wenn sie den Armen das Notwendigste geben, für ihre Seelen. 9. So haben also beide gemeinsam Anteil an dem guten Werke. Wer so handelt, den wird Gott nicht verlassen, vielmehr wird er eingeschrieben werden in die Bücher der Lebendigen. 10. Glücklich die Besitzenden, die einsehen, dass sie ihren Reichtum von Gott haben. Wer nämlich dies einsieht, der wird auch seinen Dienst erfüllen können.“

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger