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Gregor v. Nazianz († 390) - Reden
XVII. Rede

10.

[S. 350] Die einen verzichten um des Geistes willen auf Hab und Gut, andere auf ihre körperlichen Bedürfnisse; sie töten sich um Christi willen ab und ersterben vollständig der Welt. Andere weihen Gott ihr Teuerstes. Du hast gewiß schon von dem Opfer Abrahams gehört. Er hatte Gott seinen eingeborenen Sohn, der ihm auf Grund einer Verheißung geboren worden war und auf den sich die Verheißung bezog, mit noch größerer Liebe geopfert, als er ihn seinerzeit von Gott empfangen hatte. Nicht solche Opfer fordern wir von dir. Schenke statt aller anderen Gaben Gott die Barmherzigkeit, worüber er sich mehr freut, als über alle anderen Geschenke zusammen! Sie ist eine wahrhafte, eine tadellose Gabe, welche Gottes Wetteifer herausfordert. Verbinde Milde mit Schrecken, Hoffnung mit Drohung! Güte vermag, wie ich weiß, viel gutzumachen; sie führt zur notwendigen Genugtuung. Wir müssen nur, wenn wir Anlaß haben, mit Gewalt einzuschreiten, Nachsicht üben und durch Mitleid und Wohlwollen die Menschen bezwingen. Lasse dich durch nichts zu einer Handlung hinreißen, welche deiner Stellung unwürdig ist! Nichts darf dich veranlassen, auf Barmherzigkeit und Milde zu verzichten, keine Zeitverhältnisse, keine Herrscher, keine Furcht, nicht Hoffnung auf höhere Ämter, nicht Dünkel und Selbstbewußtsein! Erwirb dir für die Zeiten der Drangsale das himmlische Wohlwollen! Schenke Gott deine Barmherzigkeit! Noch niemand hat es bereut, Gott etwas geopfert zu haben. Er kann reichlich vergelten. Denen, welche etwas zuvor bei ihm hinterlegt und ausgeliehen haben, vergilt er meist mit himmlischen Gütern, gelegentlich aber auch mit irdischen, um den Glauben an die jenseitigen zu wecken.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger