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Gregor v. Nazianz († 390) - Reden
XVII. Rede

4.

Brüder, die Menschengeschichte dreht sich im Kreise, und Gott erzieht uns durch Gegensätze. Wie er das Weltall weise geordnet und zusammengefügt hat, so sorgt er in weiser Regierung durch seine unfaßbaren, unerforschlichen Gerichte für alles, u. a. auch für uns. Das All bewegt sich gewissermaßen um den Unbeweglichen. Und es schwankt, natürlich nicht in seinen Gesetzen, da die Gesetze überall fest und unbeweglich sind, mögen sie auch von unserer Schwachheit nicht begriffen werden, sondern es schwankt in den Augen derer, [S. 346] welche in ihm täglich leben und mit ihm in Konflikt geraten. Es ist ein alter, fester Grundsatz Gottes, sich vor unseren Augen in der Finsternis zu verstecken und die vielen Pläne seiner Fürsorge nur in dunklen Rätseln und Bildern sehen zu lassen. Entweder will er auf solche Weise unseren Hochmut zähmen und uns zur Erkenntnis, daß wir neben der ersten und wahren Weisheit nichts sind, führen, damit wir uns einzig und allein vor ihm beugen und darnach streben, stets von seinen himmlischen Strahlen erleuchtet zu werden, oder er will uns durch die Unbeständigkeit dessen, was wir in Bewegung sehen, zu dem leiten, was fest bleibt. Beweglich, unbeständig, ungenügend, vollständig ungleich ist, wie gesagt, alles: Heiterkeit und Verdrossenheit, Reichtum und Armut, Kraft und Schwäche, Erniedrigung und Hoheit, Gegenwart und Zukunft, Eigentum und Fremdherrschaft, Kleinheit und Größe usw. Was ungleich ist, ist darin gleich, daß es sich in allem verändert. Alles dreht sich, ändert sich und wechselt so rasch, daß man noch eher den Winden und einer auf Wasser gezeichneten Schrift als dem Glück der Menschen trauen darf. Neid hemmt das Glück, Mitleid das Unglück. Und dies ist meines Erachtens weise und wunderbar eingerichtet; denn der Schmerz soll nicht ohne Trost und das Glück nicht ohne Zuchtmeister sein.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger