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Gregor v. Nazianz († 390) - Reden
XVII. Rede

11.

Noch eine kurze Zeit, und die Welt vergeht, und das Zelt wird abgebrochen. Nützen wir die Zeit aus! Erkaufen wir uns die bleibenden Güter mit den unbeständigen! Jeder von uns verdient Strafe. Der Staub ist mit viel Schuld beladen. Verzeihen wir, damit uns verziehen werde! Schenken wir Nachsicht, damit wir [S. 351] Nachsicht erlangen! Wie du aus dem Evangelium1 weißt, wurde einer, der viele Talente schuldig war, vorgeführt, aber von seinen Schulden freigesprochen; der Herr nämlich, dem er vorgeführt wurde, war gut. Allerdings, obwohl ihm verziehen wurde, verzieh er selbst nicht; denn er hatte sklavische Gesinnung. Die Nachsicht, welche ihm trotz seiner großen Schulden geschenkt worden war, schenkte er nicht seinem Mitknechte, trotz dessen kleinerer Schulden; nicht einmal das hochherzige Vorbild der Nächstenliebe hatte auf ihn Einfluß. Der Herr wurde zornig. Das Übrige verschweige ich. Es ist auf jeden Fall für jeden besser, in diesem Leben sich mit Rücksicht auf das andere Leben mildtätig zu erweisen.

1: Matth. 18, 23 ff.

 

 

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Leben und Werk des hl Gregor von Nazianz
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger