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Gregor v. Nazianz († 390) - Reden
XVI. Rede

9.

Wer wird dort unseren Advokaten machen? Womit werden wir unsere Sache begründen? Welche Lüge wird noch die Verteidigung führen können? Welchen Kunstmitteln wird die Überredung gelingen? Welche Schlauheit wird den Gerichtshof gegen die Wahrheit gewinnen und das rechte Urteil verhindern können, welches für alle alles, sowohl Handlungen wie Worte und Gedanken, auf die Wage legt, Sünden und Tugenden gegeneinanderhält, um dem Übergewichte und der [S. 329] Überzahl die Entscheidung zu lassen, so daß es keine Berufung, keine höhere Instanz, keine neue Verteidigung mehr gibt, und es ausgeschlossen ist, noch bei den klugen Jungfrauen oder bei den Händlern für die erloschenen Lampen Öl zu erhalten1, und der Reiche, der in der Feuerflamme schmachtet und um Bekehrung seiner Verwandten bittet2, keine Gelegenheit zur Buße und keine Zeit zur Umkehr findet? Es wird nur ein einziges Gericht geben. Dieses wird endgültig und furchtbar sein, mehr noch gerecht als furchtbar, oder vielmehr es wird wegen seiner Gerechtigkeit recht furchtbar werden. Wenn die Throne aufgestellt werden, der Bejahrte den Vorsitz übernimmt, die Bücher aufgeschlagen werden, der Feuerstrom sich ergießt3, das Licht vor uns erscheint und die Finsternisse bereitet sind, dann „werden die, welche Gutes getan haben, hervorgehen zur Auferstehung des Lebens4“, das jetzt noch in Christus verborgen ist, dereinst aber zugleich mit ihm offenbar werden wird5; „diejenigen aber, welche Böses getan haben, werden hervorgehen zur Auferstehung der Verdammung6, zu der die, welche nicht glaubten, bereits von dem sie richtenden Verstande verurteilt sind. Die einen werden zum unaussprechlichen Lichte gelangen und zur Anschauung der heiligen, erhabenen Dreifaltigkeit, welche so rein und hell leuchtet und sich vollständig dem ganzen Verstande hingibt, zu jener Anschauung, worin nach meiner Ansicht allein der Himmel besteht. Die anderen aber werden u. a., ja vor allen anderen dadurch gepeinigt, daß sie von Gott verworfen sind und daß ihr Gewissen von einer nimmer endenden Schmach gedrückt wird. Darüber werde ich noch später sprechen.

1: Matth. 25, 8 ff.
2: Luk. 16, 24.
3: Dan. 7, 9 f.
4: Joh. 5, 29.
5: Kol. 3, 3 f.
6: Joh. 5, 29.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger