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Gregor v. Nazianz († 390) - Reden
XVI. Rede

6.

Es ist furchtbar, wenn der Boden nichts trägt und die Früchte vernichtet sind. Oder nicht? Weckten die Früchte doch schon freudige Hoffnung, und waren sie schon den Scheunen nahe! Furchtbar ist es, wenn man nicht zur rechten Zeit ernten kann, wenn der Bauer sich über die aufgewandten Mühen ärgern muß und gleichsam am Grabe seiner Pflanzung sitzt, welche ein milder Regen großzog, ein stürmischer Regen vernichtete. „Nicht füllte der Landmann damit seine Hand, und nicht seinen Schoß der Garbenbinder“, und er empfing deswegen nicht den Gruß, den die Vorübergehenden den Landleuten geben1. Ein erbarmungswürdiger Anblick ist ein verwüstetes, verheertes und seines Schmuckes beraubtes Land. Mehr als ein anderer beweint der selige Joel in klagenden Tönen die Vernichtung des Landes und die Hungersnot2. Noch ein anderer Prophet bricht, da er die frühere Schönheit der späteren Verwüstung gegenüberstellt, über den Zorn des Herrn, der die Erde vernichtet, in die Klage aus: „Zuerst war es ein Garten der Lust, dann wurde es ein Feld des Todes3.“ Solche Erlebnisse sind hart und mehr als hart, solange nur erst die Gegenwart schmerzt und nicht noch schmerzlichere [S. 327] Erfahrungen niederdrücken; wie bei Krankheiten ist der gegenwärtige Schmerz immer bitterer als der, welcher gerade nicht plagt. Doch die Schätze des göttlichen Zornes bergen in sich noch schlimmeres Leid als dieses. Möchtet ihr es nicht erfahren müssen! Ihr werdet es auch nicht erfahren, wenn ihr eure Zuflucht zu den Erbarmungen Gottes nehmet und den, der Barmherzigkeit will, durch Tränen für euch gewinnet und durch Umkehr die Folgen des Zornes abwendet. Was wir erleben, ist noch Milde und Güte, sanfte Züchtigung, erst der Anfang des Unglückes, das Erziehungsmittel für Jugendliche. Es ist erst der Rauch des Zornes, das Vorspiel der Plagen, aber noch nicht verzehrendes Feuer, noch nicht Höhepunkt in der Bewegung, noch nicht glühende Kohle, nicht das Ende der Züchtigung, welche Gott bald androhte, bald hinausschob, bald mit Gewalt zurückhielt, bald verhängte. Durch die Verhängung wie durch die Androhung des Unglückes erzieht er uns in gleicher Weise; im Übermaß seiner Güte „ebnet er seinem Zorne die Bahn4“. Mit geringeren Züchtigungen beginnt er, damit wir nicht der schwereren bedürfen; aber auch mit größeren erzieht er, wenn er dazu gereizt wird.

1: Vgl. Ps. 128, 7 f. [hebr. Ps. 129, 7 f.].
2: Joel 1, 10 ff.
3: Ebd. [Joel] 2, 3.
4: Ps. 77, 50 [hebr. Ps. 78, 50].

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger