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Gregor v. Nazianz († 390) - Reden
XVI. Rede

18.

Die einen unter uns haben die Armen unterdrückt, ein Stück Land an sich gerissen, ungerechterweise, sei es durch Betrug, sei es mit Gewalt, die Grenzen erweitert, Haus an Haus und Acker an Acker gefügt, um den Nachbarn zu schädigen, und, als wollten sie allein auf Erden wohnen, darnach gestrebt, überhaupt keinen Nachbarn zu haben. Andere haben durch Zins und Wucher die Erde befleckt, indem sie sammelten, wo sie nicht gesät hatten, und ernteten, wo sie nicht ausgestreut hatten, nicht den Boden, sondern die Not der Armen ausbeutend. Andere haben die Erstlinge der Tenne und Kelter Gott, der alles gegeben hatte, vorenthalten, wodurch sie sich undankbar und töricht zugleich zeigten; für das, was sie empfingen, haben sie nicht gedankt und für die Zukunft ― um von anderem zu schweigen ― haben sie nicht durch edle Gesinnung vorgesorgt. Wieder andere haben sich der Witwen und Waisen nicht erbarmt und auch nicht ein Stücklein von ihrem Brote und ihren Speisen den Notleidenden, bzw. Christus mitgeteilt, der von uns gespeist wird, wenn wir auch nur schon einen Bissen (dem Nächsten) verabreichen. Die es nicht getan haben, waren vielleicht reich, glaubten aber trotz ihrer reichen Scheunen, da sie ― was ihre größte Sünde war ― arm an Hoffnung blieben, noch in Not zu leben; teils füllten sie ihre Scheunen, [S. 339] teils rissen sie dieselben nieder, um sie für spätere Ernten zu vergrößern, ohne zu wissen, daß sie noch, ehe ihre Hoffnung sich erfüllt, dahingerafft werden und sich als schlechte Verwalter fremden Eigentums wegen ihres irdischen Reichtums und ihres Prunkes zu verantworten haben. Wieder andere haben den Weg der Elenden aus der Richtung1 gebracht und das Recht durch Unrecht verdreht2. Andere haben den mit Haß verfolgt, der sie am Tore zurechtgewiesen, und haben heilige Worte verabscheut3. Andere haben ihrem Netze, das reichen Fang gemacht hatte, Opfer gebracht4, weil sie das, was sie den Armen geraubt hatten, in ihren Häusern verwahren. Entweder dachten sie nicht an Gott oder, wenn sie an ihn dachten, sündigten sie, da sie beteten: „O Herr, sei gepriesen, da wir reich geworden sind5!“ und da sie ihn verdächtigten, soferne sie glaubten, von Gott das erhalten zu haben, wofür sie gestraft werden sollten. „Daher kommt der Zorn Gottes über die treulosen Söhne6.“ Daher wird der Himmel entweder verschlossen oder zum Fluche geöffnet, und zwar um so mehr, wenn wir uns nicht auf Grund der Züchtigung bekehren und uns nicht dem zuwenden wollten, der sich uns in den Naturmächten naht.

1: Amos 2, 7.
2: Is. 29, 21.
3: Amos 5, 10.
4: Hab. 1, 16.
5: Zach. 11, 5.
6: Eph. 5, 6.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger