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Gregor v. Nazianz († 390) - Reden
XVI. Rede

16.

„Es ist schrecklich, Brüder, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen1“. Schrecklich ist es, „wenn der Herr auf die Missetäter blickt, um das Böse vollständig auszurotten2. Schrecklich ist es, von Gott, der selbst im schweigenden Blute die Stimme Abels hörte, vernommen zu werden3. Schrecklich ist es, wenn seine Füße die Bosheit einholen. Schrecklich ist seine Allgegenwart, welche nicht gestattet, irgendwie dem Willen Gottes zu entfliehen, mag man zum Himmel fliegen oder in die Unterwelt hinabsteigen oder gegen Osten eilen oder sich in den Tiefen des Meeres oder an seinen äußersten Grenzen verstecken. Nahum aus Elkosch fürchtete schon vor mir, als er seinerzeit das Gotteswort gegen Ninive verkündete, den „eifersüchtigen Gott, den Herrn, der voll Grimm sich an seinen Feinden rächt4“ und mit solcher Strenge verfährt, daß es keiner weiteren Bestrafung der Sünder mehr bedarf. Wenn ich die Drohungen des Isaias gegen die Bewohner von Sodoma und die Fürsten von Gomorrha und sein Wort höre: „Wie soll ich euch, die ihr Sünde auf Sünde häuft, noch weiter schlagen5?“, dann möchte ich fast vor Schrecken [S. 337] vergehen und in Tränen zerfließen. Der Prophet will sagen: es ist nicht möglich, für jede neue Sünde noch eine neue Strafe ausfindig zu machen; so sehr habt ihr schon alles durchgekostet, jede Art von Strafe ausprobiert; immer habt ihr wieder neue Strafen durch eure Sünden herausgefordert. „Da ist nicht mehr eine einzelne Wunde oder Strieme oder brennende Beule. Der ganze Körper ― sagt er ― ist eine Wunde und unheilbar. Kein Linderungsmittel, nicht Öl, nicht Verband kann angewendet werden6.“ Die weiteren Drohungen übergehe ich, um euch nicht in eurer gegenwärtigen Not lästig zu fallen.

1: Hebr. 10, 31.
2: Ps. 33, 17 [hebr. Ps. 34, 17].
3: Gen. 4, 10.
4: Nah. 1, 2.
5: Is. 1, 5.
6: Is. 1, 6.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger