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Gregor v. Nazianz († 390) - Reden
XV. Rede

8.

Nachdem die Brüder vom ältesten bis zum jüngsten so gesprochen und gehandelt und sich gegenseitig geschärft hatten, daß sie gleichsam Eberzähne waren, verharrten sie einmütig in ihrer Standhaftigkeit. Ihren [S. 316] Landsleuten gereichten sie zur Freude und Bewunderung, ihren Verfolgern aber zum Schrecken und Entsetzen. Denn obwohl diese gegen das ganze Volk vorgegangen waren, erlagen sie sieben Brüdern, die einmütig für ihre Religion eintraten, so sehr im Kampfe, daß sie nicht mehr viel Hoffnung hatten, die übrigen zu gewinnen. Die mutige, wahrhafte Mutter jener großen Söhne, die sich so sehr auszeichneten, die große, edelgesinnte Schülerin des Gesetzes, wurde unterdessen von Freude und Furcht zugleich erfüllt, war mitten zwischen zwei Gefühlen. Sie freute sich wegen des Edelmutes, den sie bereits offenbarten; sie fürchtete sich aber wegen der übergroßen Leiden, die noch bevorstanden. Wie ein Vogel beim Herannahen einer Schlange oder einer anderen Gefahr, so umflog sie ihre Jungen, umflatterte sie, ermunterte sie, half ihnen im Kampfe. Wie wirkt sie in Wort und Tat, während sich ihre Söhne zum Siege rüsten! Sie sammelte eiligst ihre Blutstropfen, hob die Knochensplitter auf und küßte, was von ihnen noch übrigblieb. Von dem einen las sie auf, was noch da war, einen anderen lieferte sie (der Marter) aus, wieder einen anderen bereitete sie (für die Marter) vor. Allen rief sie zu: „Heil euch, meine Söhne! Heil euch, meine Tapferen! Heil euch, die ihr noch im Körper wohnend, schon fast vom Körper befreit seid! Heil euch, die ihr für das Gesetz, für mich, die Greisin, für die Stadt, die euch erzogen und zu solcher Tugend emporgeführt hat, eintretet! Es dauert nicht mehr lange, und wir haben gesiegt. Nur das macht mir noch Angst, daß die Henker ermüdet sind. Nur noch eine Weile, und ich bin gepriesen unter den Müttern, und ihr seid gepriesen unter den Jünglingen. Doch ihr habt Sehnsucht nach der Mutter. Nicht werde ich euch verlassen, ich verspreche es euch. Nein, so hasse ich meine Kinder nicht!“

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger