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Gregor v. Nazianz († 390) - Reden
XV. Rede

5.

Was die Antworten betrifft, welche die Söhne dem Tyrannen gaben, so waren sie zugleich so weise und mutig, daß alle herrlichen Worte aller anderen zusammengenommen gegenüber ihrer Tapferkeit unbedeutend sind, und daß die Tapferkeit aller anderen gegenüber der Weisheit, die aus den Worten der Brüder [S. 312] sprach, gering war, daß ferner nur ihnen es eigentümlich ist, so zu leiden und zugleich auf die Drohungen des Tyrannen und auf die angewandten Martern, denen weder die mutigen Söhne noch die mutigere Mutter erlag, so weise zu antworten. Die Mutter übertrifft alle und, mit der Liebe den Mut vereinigend, machte sie sich für ihre Söhne zum herrlichen Totenopfer, da sie den Verstorbenen im Tode nachfolgte. Freiwillig nämlich ging sie in den Tod. Und wie war die Leichenrede, die sie hielt? Mögen auch die Worte, welche die Söhne an den Tyrannen richteten, begreiflicherweise schön gewesen sein und an Schönheit alles übertroffen haben, da sie ihre Waffe waren, mit der sie den Tyrannen niederstreckten, aber herrlicher noch waren die Worte der Mutter, welche zuerst Mahnrede, dann Leichenrede waren. Welches waren nun die Reden der Söhne? Es ist nämlich gut, sie euch ins Gedächtnis zu rufen, auf daß ihr, soferne wieder solche Zeiten kommen, ein Vorbild für den Kampf und die Reden habt, welche Martyrern geziemen. Ihre Worte waren verschieden je nach der Rede des Tyrannen oder der Art der Folter oder dem Eifer der Seele. Sie lassen sich also wiedergeben: „O Antiochus und ihr alle, die ihr hier stehet, Gott ist unser einziger König, von dem wir erschaffen sind und zu dem wir zurückkehren. Unser einziger Gesetzgeber ist Moses, den wir nicht verleugnen und nicht verachten werden, so wahr ihn seine Tugend in viele Gefahren geführt und er viele Wunder gewirkt hat; wir würden es auch nicht tun, wenn ein anderer Antiochus uns mit noch Schlimmerem als du drohen würde. Wir kennen nur eine Waffe, die Beobachtung des Gebotes und die Festigung des Gesetzes, das unsere Mauer ist. Unsere einzige Herrlichkeit ist, allen Ruhm um dieser Leiden willen gering zu achten. Unser einziger Reichtum sind die Schätze, die wir erhoffen. Das Furchtbarste ist, etwas mehr zu fürchten als Gott. Diese Gedanken sind unsere Rüstung und unsere Waffen. Mit solchen Männern hast du es zu tun. Süß allerdings ist auch diese Welt, der heimatliche Boden, die Freunde, die Verwandten, die Jugendgenossen, dieser Tempel, dessen Name groß und berühmt ist, die heimatlichen Festversammlungen und [S. 313] Geheimnisse und all das, wodurch wir uns sonst noch von anderen Völkern zu unterscheiden scheinen, aber man möge glauben, daß nichts süßer ist als Gott und das, was wir um des Guten willen leiden. Unser Vaterland aber ist das himmlische Jerusalem, das stark und uneinnehmbar ist und das kein Antiochus erobern und sich zu unterwerfen hoffen darf. Unsere Verwandten sind die, welche den Geist besitzen und für die Tugend geboren sind. Unsere Freunde sind die Propheten und Patriarchen; sie sind uns Vorbilder im religiösen Leben. Unsere Jugendgenossen sind die, welche mit uns heute gemartert werden und zu gleicher Zeit ihre Standhaftigkeit bekunden. Prachtvoller aber noch als der Tempel ist der Himmel. Unsere Festversammlungen sind die Chöre der Engel. Und unser einziges, großes und größtes Geheimnis, welches der Menge verborgen bleibt, ist Gott, das Ziel der Geheimnisse dieses Lebens.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger