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Gregor v. Nazianz († 390) - Reden
XIV. Rede

37.

Zeigen wir daher Mitleid, um gereinigt zu werden! Den Schmutz und die Flecken der Seele wollen wir mit diesem schönen Pflänzchen beseitigen. Wir wollen weiß wie Wolle, bzw. wie Schnee werden, je nachdem wir Barmherzigkeit erwiesen haben. Ich will noch einen packenden Gedanken vorlegen: Wenn du auch keinen Beinbruch, keine Strieme, keine entzündete Wunde hast, auch die Seele nicht an Aussatz leidet und du keinen Ausschlag, der Aussatz vermuten läßt oder deutlich zeigt, hast, welcher, wenn ihn auch das Gesetz rasch rein erklärte1, gleichwohl des kommenden Heilandes bedurfte, so erschrick doch in Ehrfurcht vor dem, der unsertwegen verwundet und mißhandelt worden ist! In Ehrfurcht wirst du aber erschrecken, wenn du dich gegen das Glied Christi gut und mitleidig zeigst. Sollte jedoch etwa der Räuber und Tyrann unserer Seelen dich, entweder da du von Jerusalem nach Jericho hinabgingst oder da er dich sonst irgendwo unbewaffnet und ungerüstet fand, in einer Weise zugerichtet haben, daß du mit Recht sagen kannst: „Meine Striemen riechen und faulen infolge meiner Torheit2“, solltest du so schlecht daran sein, daß du nicht einmal Heilung suchst und daß du gar nicht den Weg zur Gesundung kennst, dann steht es wahrlich schlimm mit deinen Wunden, und geht dein Elend in die Tiefe. Wenn du dich aber noch nicht vollständig verloren gibst und noch Hoffnung auf Heilung hast, dann gehe zum Arzte, bitte ihn und heile die Wunden durch die Wunden; erwirb das Ähnliche durch das [S. 306] Ähnliche, bzw. heile das Größere durch das Geringere! Der Herr wird zu deiner Seele sprechen: „Ich bin dein Heil3“, „dein Glaube hat dir geholfen4“ und „siehe, du bist gesund geworden5“. Alle diese tröstenden Worte wird er zu dir sprechen, wenn er nur sieht, daß du für die Notleidenden ein Herz hast.

1: Vgl. Lev. 13 u. 14.
2: Ps. 37, 6 [hebr. Ps. 38, 6].
3: Ps. 34, 3 [hebr. Ps. 35, 3].
4: Matth. 9, 22.
5: Joh. 5, 14.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger