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Gregor v. Nazianz († 390) - Reden
XIV. Rede

29.

Zur Barmherzigkeit fordert uns die Vernunft, das Gesetz und alle gesetzten Menschen auf; denn diese schätzen es höher, Gutes zu tun, als Gutes zu empfangen, und wollen lieber Barmherzigkeit erweisen, als Gewinne machen. Was sagst du über unsere Mönche? Nicht will ich sprechen von den Außenstehenden, welche [S. 298] Götter erfinden, die den Patron ihrer Leidenschaften spielen müssen, und welche dem Kerdoos1 den ersten Platz anweisen, ja welche, was noch schlimmer ist, da und dort bestimmen, man müsse gewissen Dämonen Menschen opfern, und Grausamkeit als Gottesdienst ansehen und sich nicht nur selbst über solche Opfer freuen, sondern auch als sündhafte Priester und als Diener der Sünde diese Freuden ihren Göttern zuschreiben. Es ist zum Weinen, daß es sogar unter uns Leute gibt, welche so weit davon entfernt sind, mit den Heimgesuchten Mitleid zu haben und ihnen zu helfen, daß sie ihnen vielmehr bittere Vorwürfe machen und sie belästigen. Sie machen eitles, dummes Geschwätz; ihre Worte sind tatsächlich von der Erde2. Sie reden in die Luft und nicht zu Ohren verständiger Menschen, welche gewöhnt sind, göttliche Lehren zu vernehmen. Sie wagen zu erklären: „Jene haben von Gott ihr Elend, wir haben von Gott unser Glück. Wer bin ich, daß ich Gottes Fügung aufheben und besser als Gott erscheinen dürfte? Sie sollen ihre Krankheit, ihr Elend, ihr Unglück haben! Es ist so bestimmt.“ Nur dann, wenn sie es für notwendig halten, ihre Oboli zurückzuhalten und sich über die Unglücklichen lustig zu machen, wollen sie Gottes Freunde sein. Daß sie aber (tatsächlich) nicht daran denken, ihr Glück komme von Gott, ergibt sich deutlich aus ihren Reden. Wer könnte denn in solcher Weise über die Armseligen urteilen, wenn er sich bewußt wäre, daß Gott es ist, der ihm seinen Besitz gegeben hat? Wer es weiß, daß er etwas von Gott erhalten hat, verwendet es zugleich auch im Sinne Gottes.

1: Vgl. oben Rede 4, 121.
2: Vgl. Is. 29, 4.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger