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Gregor v. Nazianz († 390) - Reden
XIV. Rede

17.

[S. 286] Während jene in solchem Elend leben, sollen wir in aller Pracht auf hohem, erhabenem Lager mit reichlichen Decken, die man nicht berühren darf, ruhen, um uns schon aufzuregen, wenn wir nur die flehende Stimme der Kranken vernehmen? Unser Boden muß von Blumen duften, oftmals selbst dann, wenn nicht die Zeit der Blumen ist. Unser Tisch muß mit den wohlriechendsten kostbarsten Salben übergossen sein, damit wir noch mehr verweichlicht werden. Knaben müssen aufwarten. Die einen von ihnen stehen in Reih und Glied, nach Mädchenart tragen sie langes Haar und Simpelfransen und sind selbst lüsternen Augen zuviel geschmückt. Andere halten so zierlich und zugleich so sicher als nur möglich mit ihren Fingerspitzen die Becher oder erregen geschickt über den Häuptern mit ihren Fächern Lüftchen und durch die Bewegung ihrer Hände den Fleischmassen Abkühlung. Ferner muß die Tafel mit Speisen überladen sein; alle Elemente, Luft, Erde und Wasser müssen uns reichlich ihre Gaben spenden. Wir wollen von den Kunstwerken der Köche und Speisemeister erdrückt werden; um die Wette sollen sich alle bei dem gierigen, undankbaren Magen einschmeicheln, bei dieser schwerfälligen Last, dem Unheilstifter, dem unersättlichen, unverlässigsten Tiere, das zugleich mit den verdauten Speisen dem Untergange geweiht ist. Während die Aussätzigen es als Glück betrachten würden, wenigstens genug Wasser zu haben, trinken wir Wein bis zur Betrunkenheit und in unserer Ausschweifung noch darüber hinaus und weisen die einen Weine zurück, um andere wegen ihrer Blume anzuerkennen und sie weise zu loben und es als Mangel zu bezeichnen, wenn nicht außer den einheimischen Weinen gleichsam als Krone des Ganzen noch eine berühmte ausländische Marke vorgesetzt wird. Wir wollen Feinschmecker und Lebemenschen sein oder heißen und schämen uns fast, wenn wir nicht als schlecht oder nicht als Sklaven der Bäuche und anderer Organe gelten.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger