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Gregor v. Nazianz († 390) - Reden
VIII. Rede

14.

Wie wenig gepflegt war ihr Körper! Ihre Kleider ließen außer der Tugend nichts Schönes erkennen. Wie [S. 242] herrschte ihre Seele über ihren Leib! Sie ließ ihn fast ohne Nahrung, als hätte er nicht aus irdischen Stoffen bestanden. Eigentlich zwang sie den Körper, schon vor dem Hinscheiden zu sterben, damit ihre Seele frei wäre und nicht von sinnlichen Empfindungen gestört würde. Ganze Nächte durchwachte sie, und ihr Psalmengesang und ihr Stehen erstreckte sich von einem Tag auf den anderen. O David, aufrichtig frommen Seelen sind deine Lieder nicht zu lang! Die zarten Glieder, mit denen Gorgonia sich zur Erde beugte, verloren ihre Natur und wurden hart. Sie vergoß Tränen, welche in Trübsal gesät wurden, um in Freuden ernten zu können1. Ihr Rufen bei Nacht durchdrang die Wolken und kam vor Gott. Ihr feuriger Geist fürchtete in seinem Gebetseifer nicht die in der Nacht umherschweifenden Hunde, nicht Kälte, nicht Regen, nicht Gewitter, nicht Hagel, nicht Finsternis. Ihre weibliche Natur erwies sich im gemeinsamen Kampfe für die Erlösung der männlichen überlegen und zeigte, daß die Geschlechter sich nur dem Leibe, nicht der Seele nach unterscheiden. Rein lebte sie nach der Taufe; ihre Seele wohnte als Braut Christi im Leibe wie in reinem Brautgemache. Durch ihr Entsagen hat sie das bittere Verlangen (der Stammeltern), Eva, die Mutter des Menschengeschlechtes und der Sünde, die trügerische Schlange und den Tod überwunden. Durch ihre Abtötung hat sie die Selbstentäußerung Christi, seine Knechtsgestalt, seine Leiden geehrt.

1: Ps. 125, 5 [hebr. Ps. 126, 5].

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger