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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo XXI-XXX: Zehn Predigten am Geburtsfeste unseres Herrn Jesu Christi.
Sermo XXIII. 3. Predigt auf Weihnachten.

2.

Die Blindheit des Arius, Geliebteste, war nicht imstande, diese Einheit, durch welche der Schöpfer mit dem Geschöpfe verbunden wird, mit geistigem Auge zu erkennen; denn da sie nicht glaubte, daß der Eingeborene Sohn Gottes gleiche Herrlichkeit und gleiche Wesenheit mit dem Vater habe, so behauptete sie, die Gottheit des Sohnes sei geringer . Dabei nahm sie ihre Beweise aus jenen Erscheinungen, die auf die menschliche Knechtsgestalt bezogen werden müsse. Um zu zeigen, daß diese in ihm nicht einer getrennten, nicht einer anderen Person gehöre, erklärt ein und derselbe Sohn Gottes in ein und derselben Person: "Der Vater ist größer als ich"1 , wie er in ebenderselben auch sagt: "Ich und der Vater sind eins"2 . Ist er doch in der Knechtsgestalt, die er um unserer Erlösung willen am Ende der Zeiten annahm, geringer als der Vater, in der Gestalt Gottes aber, in der er vor der Zeit schon war, dem Vater gleich. In seiner menschlichen Niedrigkeit "wurde er aus dem Weibe geschaffen, untertan dem Gesetze"3 , während er in seiner göttlichen Majestät das "Wort Gottes" blieb, "durch das alles gemacht ist"4 . Dementsprechend wurde derjenige, der den Menschen in der Gestalt Gottes schuf, in Knechtsgestalt Mensch:5 . Bewahrt doch jede der beiden Naturen ungeschmälert ihre Eigenart, und wie die Gestalt Gottes die des Knechtes nicht aufhob, so tut auch diese jener keinen Eintrag. Es gestattet also das Geheimnis der mit der Schwachheit vereinten Kraft, eben auf Grund der menschlichen Natur den Sohn geringer als den Vater zu bezeichnen. Dagegen schließ die Gottheit, die in der Dreifaltigkeit des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes ein und dieselbe ist, jegliche Annahme einer Ungleichheit aus. Hat doch hier6 ihre Ewigkeit nichts Zeitliches, ihre Natur nichts Ungleiches. Hier gibt es nur einen Willen, die nämliche Wesenheit und die gleiche Macht, nicht drei Götter, sondern nur Einen Gott, weil da wahre und unzertrennliche Einheit vorhanden ist, wo keinerlei Verschiedenheit bestehen kann. Der wahre Gott kam also in der unveränderten und vollen Natur des wahren Menschen zur Welt, ganz in dem Seinen, ganz in dem Unsrigen. Unter dem Unsrigen aber verstehen wir das, was der Schöpfer von Anfang an in uns schuf und zu erlösen auf sich nahm. Denn von all dem7 , das der trügerische Erbfeind in unser Herz gesenkt, und dem der betrogene Mensch Zutritt gestattet hat, war im Erlöser nicht die geringste Spur vorhanden. Ebensowenig hatte er deshalb, weil er die menschlichen Gebrechen mit uns teilte, an unseren Vergehen Anteil. Ohne sich durch Sünde zu beflecken, nahm er Knechtsgestalt an, indem er die menschliche Natur auf eine höhere Stufe hob, die göttliche ungeschmälert ließ. Jene Selbstentäußerung, durch welche sich der Unsichtbare sichtbar zeigte, war eine Herablassung des göttlichen Erbarmens, nicht eine Verringerung der Macht.

1: vgl.Joh 14,28
2: vgl.Joh 10,30
3: vgl.Gal 4,4
4: vgl.Joh 1,3
5: in beidem Gott, gemäß der Macht dessen, der die menschliche Natur annahm, in beidem Mensch, gemäß der Niedrigkeit desjenigen, dessen Natur angenommen wurde
6: bei der Dreieinigkeit
7: Bösen

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger