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Gregor v. Nazianz († 390) - Reden
VII. Rede

4.

Die Mutter war schon längst durch ihre Vorfahren Gott geweiht worden und hatte die Frömmigkeit als unveräußerliches Erbe nicht nur selbst bewahrt, sondern auch ihren Kindern, der heiligen Masse aus der Erstlingsgabe1, übermittelt. Dieses Erbe hat sie so sehr vergrößert und vermehrt, daß ― ich wage das kühne Wort, das auch geglaubt und erzählt wird, ― keinem anderen als ihr die Bekehrung ihres Mannes zu verdanken ist. Man staune: Als Lohn für ihre Frömmigkeit wurde ihr noch größere und vollkommenere Frömmigkeit verliehen. Beide Eltern lieben ihre Kinder und lieben Christus, ja sie lieben ― eine Seltenheit! ― Christus noch [S. 213] mehr als ihre Kinder. Von den Kindern wollten sie keinen anderen Vorteil, als daß sie von Christus erkannt und nach ihm benannt würden. Sie wünschten sich nur deshalb Kinder, um sie für die Tugend und für das Höhere zu erziehen. Sie sind gütig und barmherzig. Motten und Dieben und dem Herrn dieser Welt rauben sie zahlreiche Schätze, um sie aus der Fremde in die Heimat zu bringen2 und als schönstes Erbe ihren Kindern die Ehren einer anderen Welt zu hinterlassen. So erreichten sie ein hohes Alter, geehrt ebenso wegen ihrer Tugenden, wie wegen ihrer hohen Jahre, reich an Tagen, sowohl an solchen, die bleiben, wie an solchen, die vergehen. Beide wetteiferten in diesem Leben um den Vorrang. Sie waren durchweg glücklich bis vielleicht auf dieses eben erst erfolgte Schicksal, das man ebenso als Prüfung wie als gnädige Fügung bezeichnen kann. Die Gnade wollte aber, wie ich glaube, daß das Kind, welches wegen seines Alters am meisten gefährdet war, den Eltern (in den Tod) vorausgehe, damit diese nunmehr in Ruhe ihr Leben beschließen und mit ihrer ganzen Familie in den Himmel kommen.

1: Vgl. ebd. [Röm.] 11, 16.
2: Vgl. Matth. 6, 19 f.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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