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Gregor v. Nazianz († 390) - Reden
VII. Rede

23.

Möchte ich doch die irdischen Glieder ertöten1! Möchte ich alles im Geiste aufgehen lassen, indem ich den schmalen, von wenigen betretenen Weg gehe und den breiten, bequemen Weg meide! Denn, was diesem Leben folgt, ist Glanz und Größe, und, was wir erhoffen dürfen, ist mehr, als uns gebührt. „Was ist der Mensch, daß du seiner gedenkest2?“ Was ist dieses neue [S. 231] Geheimnis, das in mir offenbar wird? Ich bin klein und doch groß, nieder und doch erhaben, sterblich und doch unsterblich, irdisch und doch himmlisch. Das eine bin ich durch diese Welt, das andere bei Gott, das eine im Fleische, das andere durch den Geist. Mit Christus muß ich begraben werden, mit Christus auferstehen, mit Christus erben; ich muß Gottes Sohn werden, Gott selbst. Bis zu welcher Höhe hat uns doch die Rede allmählich emporgeführt! Fast möchte ich dem Schmerze danken, der solche Ideen eingegeben und es bewirkt hat, daß ich mich noch mehr nach dem Scheiden sehne. So will es das große Geheimnis, so will es Gott, der für uns Mensch geworden ist und sich zur Armut erniedrigt hat, um das Fleisch zu erwecken, das Ebenbild zu retten und den Menschen neu zu schaffen, auf daß wir alle eins werden in Christus, der in uns allen auf vollkommene Weise das geworden ist, was er selbst ist, auf daß nicht mehr die Verschiedenheit des Fleisches besteht und nicht mehr ein Unterschied ist zwischen Mann und Weib, Barbare, Skythe, Sklave, Freiem3, daß wir vielmehr nur noch das Merkmal Gottes an uns tragen, von welchem und für welchen wir erschaffen worden sind, und daß wir so von ihm umgestaltet und gezeichnet werden, daß er allein es ist, der uns kenntlich macht.

1: Vgl. Kol. 3, 5.
2: Ps. 8, 5 [hebr. Ps. 8, 5].
3: Vgl. Gal. 3, 28.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger