Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Gregor v. Nazianz († 390) - Reden
VII. Rede

11.

So dachte Cäsarius, auch als er am Hofe weilte. In solcher Gesinnung lebte er und starb er. Noch größer als die Frömmigkeit, welche er nach außen zeigte, war die, welche in seinem Inneren verborgen war und welche er Gott offenbarte und weihte. Soll ich alles übergehen, nämlich seine Sorge für die notleidenden Verwandten, seinen Abscheu vor dem Hochmut, seine unparteiische Freundlichkeit, seine Offenheit gegenüber den Herrschern, seine Kämpfe für die Wahrheit, seine vielen nicht nur klaren, sondern auch durchaus religiösen und begeisternden Reden, die er an viele gehalten hatte, und soll ich statt alles, was er geleistet hat, nur etwas berichten: das Erwähnenswerteste ist folgendes. Ein Kaiser von schlimmem Rufe raste gegen uns. Nachdem er durch seinen Abfall von Christus zunächst gegen sich selbst gewütet hatte, wurde er nun auch seinem Nächsten gegenüber unausstehlich. Aber nicht gleich den übrigen Christusfeinden bekannte er sich offen zur Gottlosigkeit, vielmehr verbarg er seine Verfolgungssucht unter dem Scheine der Loyalität. Gleich der sich krümmenden Schlange, welche von seiner Seele Besitz genommen hatte, zog er auf alle mögliche Weise armselige Menschen in seinen Abgrund. Da dieser Edelmann die Christen sogar um die Ehre des Martyriums beneidete und darum nicht einmal wollte, daß wir dieser Ehre gewürdigt werden, war es vor allem sein Sinnen und Trachten, zum Martyrium verurteilte Christen als Verbrecher hinzustellen. Sodann wollte er, daß man sein Einschreiten nicht als Gewalt, sondern als Erziehung bezeichne, gerade als ob die, welche freiwillig zur Gottlosigkeit übertreten, mehr auf Ehre als auf Sicherheit geben. Nachdem er die einen durch Geld, andere durch Ehren oder Versprechungen oder durch alle möglichen Auszeichnungen, welche er nicht in königlicher Vornehmheit, sondern echt demokratisch vor aller Augen erwies, und alle durch seine bestrickenden Worte und durch sein Beispiel für sich gewonnen hatte, versuchte er es aus vielen Gründen auch mit Cäsarius. [S. 220] Welche Torheit, welcher Wahnsinn war es, zu hoffen, einen Cäsarius, der mein Bruder und der Sohn solcher Eltern war, zu erbeuten!

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Leben und Werk des hl Gregor von Nazianz
Bilder Vorlage

Navigation
. I. Rede
. II. Rede
. III. Rede
. IV. Rede
. V. Rede
. VI. Rede
. VII. Rede
. . Mehr
. . 3.
. . 4.
. . 5.
. . 6.
. . 7.
. . 8.
. . 9.
. . 10.
. . 11.
. . 12.
. . 13.
. . 14.
. . 15.
. . 16.
. . 17.
. . 18.
. . 19.
. . Mehr
. VIII. Rede
. IX. Rede
. X. Rede
. XI. Rede
. XII. Rede
. XIII. Rede
. XIV. Rede
. XV. Rede
. Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger