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Gregor v. Nazianz († 390) - Reden
VI. Rede

10.

Zunächst hätte, Brüder, die Trennung unterbleiben und unser alter Ruhm und Stolz nicht verlorengehen sollen, welcher unsere, wenn auch kleine, nicht einmal recht nennenswerte Herde den größten und ausgedehntesten hatte an die Seite treten lassen; ich hatte sie sogar manchen Herden wegen ihrer Geisteskraft vorgezogen. Während sich andere Herden dieses oder jenes kleineren oder größeren Vorzuges hatten erfreuen [S. 200] können, war es tatsächlich eine besondere Eigenart unserer Herde gewesen, sich nicht zu spalten und nicht zu revoltieren, so daß sie oft als Arche Noes bezeichnet worden war, da sie allein der Sintflut der ganzen Welt entgangen war und die Samen der Frömmigkeit auf ihr noch erhalten hatte. Nachdem sich aber nun unsere Menschlichkeit gezeigt hat, wir nicht vollständig dem Neide des Bösen entronnen sind und nicht der alles beherrschenden Krankheit getrotzt haben, wir vielmehr durch Beteiligung an dem allgemeinen Elende das schöne und väterliche Erbe, das Gut der Eintracht, schließlich haben verlorengehen lassen, haben wir gleichwohl noch die anderen ― wenn man sich bezüglich seiner Feindschaft im Vertrauen auf Christus rühmen darf ― nicht wenig dadurch übertroffen, daß wir zuletzt gesunken, aber auch zuerst aufgestanden sind. Zu erkranken ist das gemeinsame Schicksal der Natur und ergibt sich aus der menschlichen Schwäche, die allen anhaftet, selbst denen, die körperlich und geistig sehr kräftig sind. Sich aber heilen zu lassen und wieder den Weg zum Nächsten zurückfinden, ist das Zeichen des Verstandes und der Gnade, welche gut und recht und über unsere Wünsche und die Hoffnungen der anderen hinaus für uns entschieden hat.

 

 

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Leben und Werk des hl Gregor von Nazianz
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger