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Gregor v. Nazianz († 390) - Reden
V. Rede

4.

Da Julian mit diesem Plane umging und für ihn gewann ― zu allem, was man gerne tut, läßt man sich leicht verführen ―, dachten die Juden daran, den Tempel wieder zu errichten, und gingen fleißig und [S. 160] bereitwillig ans Werk. Wie solche, welche die Juden bewundern, erzählen, verzichteten deren Frauen nicht nur gerne auf all ihren körperlichen Schmuck zugunsten des Unternehmens und der Arbeiter, sondern glaubten auch, Gott einen Dienst zu erweisen, wenn sie an ihrer eigenen Brust den Schutt wegschleppten und weder auf ihre kostbaren Kleider, noch auf ihre zarten Glieder achteten; nichts ging ihnen über das Unternehmen. Als nun Sturm und Erdbeben entstanden, kamen sie plötzlich zusammen. Teils eilten sie in benachbarte Gotteshäuser, um zu beten, teils kamen sie mit dem, was sie gerade hatten, ― wie es in solchen Fällen zu gehen pflegt ― zu Hilfe, teils ließen sie sich einfach vom Tumult und der eilenden Masse mitfortreißen. Da wurden sie aber, wie manche berichten, vom Gotteshaus nicht aufgenommen, sondern als sie sich den geöffneten Toren näherten, schlossen sich dieselben vor ihnen infolge einer unsichtbaren, geheimen Kraft, welche zum Schrecken der Gottlosen und zur Festigung der Guten wirkt. Was aber alle berichten und glauben, ist, daß aus dem Tempel Feuer brach, sich gegen die, welche hartnäckig den Zugang erzwangen, stürzte und die einen gleich den Bewohnern von Sodoma oder gleich Nadab und Abiud1, welche wider die Gewohnheit Weihrauch streuten und einen ungewöhnlichen Tod fanden, verbrannte und vernichtete, die anderen schwer verstümmelte, um sie zu lebenden Denkmälern göttlicher Rache gegenüber den Sündern zu machen. Dies ist Tatsache. Keiner darf daran zweifeln, so wenig als an den anderen Wundern Gottes2. Was aber noch wunderbarer und [S. 161] auffallender war, ist, daß am Himmel ein feuriges Kreuz erschien, und daß das Zeichen und der Name, welche einst auf Erden von den Ungläubigen verachtet worden waren, nunmehr am Himmel für alle in gleicher Weise sichtbar wird und Gott zum überragenden Zeichen über die Gottlosen dient3.

1: Lev. 10, 2.
2: Vgl. Chrysostomus, Hom. adv. Jud. 16; In st. Babyl. 22; Expos. in Ps. 110; Hom. in Matth. 4; Hom. in Act. 41; Ambrosius, Ep. 29 ad Theod.; Sokrates 3, 20; Sozomenus 5, 22; Theodoret 3, 15; Rufinus 10, 37 f.; Philostorgius 7, 9. 14; Rabbi Gedalja im Schalscheleth hakkabba f. 89, 2. Der Heide Ammianus Marcell. berichtet 23. 1: „Als Alypius mit Hilfe des Statthalters die Arbeiten beschleunigte, brachen furchtbare Feuerflammen wiederholt aus den Fundamenten hervor, machten den Platz unzugänglich und verbrannten mehrere Arbeiter. Da die Elemente sich widersetzten, mußte das Unternehmen aufgegeben werden.“ Als Julian von Alypius über die Unmöglichkeit des Tempelbaues benachrichtigt worden war, griff er in einem Briefe, der aus der letzten Zeit seines antiochenischen Aufenthaltes stammt, die jüdischen Propheten an, welche mit Unrecht von einer Wiedererrichtung des Tempels geschrieben hätten und darum hinter den heidnischen Dichtern zurückständen. „Ich will ― schreibt er daselbst (Julianausgabe von Hertlein S. 379 f.) ― die Propheten nicht verhöhnen; denn ich selbst wollte soeben den Tempel zu Ehren der Gottheit, die man dort verehrt, wieder errichten lassen. Doch ich verweise auf dieses Ereignis, um zu zeigen, daß alles Menschliche vergänglich ist und daß die Propheten sich hatten betören lassen. Nichts ― ich gebe es zu ― steht im Wege, daß ihr Gott groß ist. Doch er hat keine guten Propheten und keine guten Prediger, was davon herkommt, daß sie es unterließen, im gründlichen Unterricht ihre Seele zu reinigen, ihre blinden Augen zu öffnen und die Finsternis ihres Verstandes zu verscheuchen.“ ― Julians Brief Nr. 25 (Hertlein S. 512), welcher an die „Jüdische Gemeinde“ gerichtet ist und in welchem der Kaiser verspricht, nach der siegreichen Bekämpfung der Perser den Tempel in Jerusalem aufzubauen, um daselbst „dem Allmächtigen zu danken“, ist nach Wilh. Schwarz (De vita et scriptis Juliani imperatoris. Bonn 1888, S. 29) unecht.
3: Cyrillus von Jerusalem berichtet in seinem Briefe an den Kaiser Konstantius (Migne P. gr. 33, 1165―1176; Ausgabe von Reischl-Rupp II 434―441): „Um die Zeit des hl. Pfingstfestes, am 7. Mai, erschien um die dritte Stunde ein sehr großes Lichtkreuz am Himmel, über dem hl. Golgatha und bis zum hl. Ölberg ausgespannt. Es wurde nicht nur von dem einen und dem anderen, sondern von der ganzen Bevölkerung der Stadt gesehen“ (Kap. 4). Vgl. Sozomenus 4, 5.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger