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Gregor v. Nazianz († 390) - Reden
V. Rede

29.

Es soll so sein, wie es Gott gefällt! Wer weiß, ob nicht Gott, der „die Gefesselten befreit1“ und den Beschwerten und Niederblickenden aus „den Toren des Todes2“ herausführt, der „nicht den Tod des Sünders, sondern seine Umkehr will3“, der auch uns, als wir noch „in der Finsternis und im Schatten des Todes saßen4“, erleuchtet und belehrt hatte, sich auch noch einmal dieser annehmen und sie, die schwere, eiserne Rute beiseite legend, mit seinem Hirtenstabe weiden wird? Noch ein neues Siegeslied will ich anstimmen: „Beel ist gefallen, Dagon gestürzt5, Saron ist zur Wüste geworden und der Libanon mit Schmach bedeckt6.“ Nicht mehr soll man [S. 180] Toren, nicht mehr der leblosen, gefühllosen Schar der Götzen die Herrschaft überlassen. Und nicht wird man „nach der Fliegengöttin Akkaron fragen7“ oder nach etwas, was noch lächerlicher ist als sie. Nicht mehr werden sie sich um Haine, Höhen und all die waldreichen und schattigen Berge kümmern. Nicht mehr werden sie ihre Söhne und Töchter den Dämonen opfern, was dereinst Israel von den Propheten zum Vorwurf gemacht worden war8. Doch wozu diese Erinnerungen? Wenden wir uns der Gegenwart und unseren eigenen Verhältnissen zu! Nicht mehr wirft man sündhafte Blicke in unsere heiligen Kirchen. Nicht mehr befleckt man mit unheiligem Blute die Altäre, welche nach dem heiligsten, unblutigen Opfer genannt sind. Nicht mehr schändet man geweihte Orte durch heidnische Altäre. Nicht mehr raubt und entheiligt man in götzendienerischer Habgier die geweihten Gegenstände. Nicht mehr verspottet man das graue Haar der Priester, die Würde der Diakonen, die Keuschheit der Jungfrauen. Nicht mehr läßt man schmutzige Schweine auf zerfleischte Christen, damit sie sich bei der Fütterung auch mit deren Fleisch sättigen9. Nicht mehr zündet man die Denkmale der Märtyrer an, durch welche Freveltat man andere hatte vom Martyrium abhalten wollen. Nicht mehr verbrennt man die Reliquien der Märtyrer wie wertlose Knochen, nicht mehr übergibt man (deren Asche) den Winden, um die Reliquien der schuldigen Ehre zu berauben. Nicht mehr errichtet man Stühle der Pest und freut sich, Bischöfe, Priester, Propheten und Apostel, ja Christus selbst, zu schmähen. Nicht mehr triumphiert man über uns und erläßt Gesetze, welche uns von der falschen Bildung ausschließen sollen, gerade als hätte man dadurch auch unsere Zungen zum Schweigen bringen können.

1: Ps. 145, 7 [hebr. Ps. 146, 7].
2: Weish. 16, 13.
3: Ezech. 33, 11.
4: Luk. 1, 79. Vgl. Is. 9, 2. Matth. 4, 16.
5: Vgl. Is. 46, 1.
6: Is. 33, 9.
7: 4 Kön. 1, 2 [2 Kön. nach neuerer Zählart]: ἐπιζητήσατε ἐν τῷ Βάαλ μυῖαν θεὸν Ἀκκαρών. μυῖα θεός [epizētēsate en tō Baal myian theon Akkarōn. myia theos] ist griechische Übersetzung von Baal Zebub; vgl. Flavius Josephus, Antiquit. 9, 2. ― Akkaron ist eine der fünf Philisterstädte.
8: Ps. 105, 37 [hebr. Ps. 106, 37].
9: Vgl. Rede 4, 87.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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