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Gregor v. Nazianz († 390) - Reden
V. Rede

27.

Schlecht hast du es den Christen gelohnt, daß du durch sie erlöst worden warst. In solcher Weise hast du dem Herrn, deinem Gott, vergolten. Seinerzeit war Gott noch nicht für uns eingetreten, und hatte er seinen Zorn noch gedämpft und aufgeschoben und noch nicht all seinen Grimm entbrennen lassen, sondern seine Hand nur erst hoch über den Gottlosen ausgestreckt und den angelegten, bereitgehaltenen Bogen noch gewaltsam zurückgehalten und vorerst noch abgewartet, bis Julians ganze Schlechtigkeit wie eine eiternde, böse Wunde aufbräche; denn so ist es bei dem göttlichen Richter Brauch, um entweder Reue zu wecken und zu retten oder um in der Bestrafung die Gerechtigkeit schärfer zu betonen. Darüber wurden wir damals unwillig und fürchteten für die Zukunft, da wir es nicht verstehen konnten, daß sich Gottes Barmherzigkeit für die Seinen vorerst noch verhüllt habe. Daher wandten wir uns an Gott und zwar teils, um ihn als Herrn anzurufen, teils um ihn als gütigen Vater anzuflehen, teils um ihm nach Art der Querulanten Vorhalt zu machen und mit ihm zu rechten. „Warum (riefen wir) hast du, o Gott, uns immerfort verstoßen? Warum zürnest du den Schafen deiner Weide? Gedenke deiner Gemeinde, die du von Anfang an erworben hast1“, die du durch die Leiden deines eingeborenen Sohnes dir zu eigen gemacht, des großen Bündnisses gewürdigt und durch das neue Geheimnis [S. 178] und „das Angeld des Geistes2“ in den Himmel erhoben hast. Und wir riefen: „Erhebe deine Hände wider ihren endlosen Hochmut3!“ und erinnerten an all das Böse, das die Feinde wider deine Heiligen getan hatten, und wie sie sich wider deine Feste rühmten4. Wir forderten das Schwert und die Plagen Ägyptens, verlangten, daß Gott sein Recht vertrete, und erklärten, er müsse nun endlich einmal sich gegen die Gottlosen erheben. Wir sagten: „Wie lange noch, o Herr, wie lange werden sich die Sünder brüsten, dein Volk demütigen, dein Erbe bedrängen, Gesetzlosigkeit verkünden und Gesetzlosigkeit tun5?“ Ja, wir sprachen auch das folgende, noch bezeichnendere Klagewort: „Uns hast du gemacht für die Nachbarn zum Widerspruch und zur Verachtung, für die Heiden zum Sprichwort, für alle Menschen zum Gelächter6.“ Wir sprachen auch von einem „Weinberge, der aus Ägypten verpflanzt wurde7“, aus der Finsternis der Gottlosigkeit, und der zur Schönheit und Größe des Glaubens heranwuchs, sodann aber des Zaunes, der einige Zeit währenden, uns schützenden Aufsicht Gottes, beraubt wurde, allen Passanten, schlimmen Tyrannen, offen stand, und von Wildschweinen, den Sündern, welche in der Sünde zu Hause sind und vom Schmutze der Sünde strotzen, verwüstet wurde.

1: Ps. 73, 1 f. [hebr. Ps. 74, 1 f.].
2: 2 Kor. 1, 22; 5, 5.
3: Ps. 73, 3 [hebr. Ps. 74, 3].
4: Vgl. Ps. 73, 3 f [hebr. Ps. 74, 3].
5: Vgl. Ps. 93, 3 ff. [hebr. Ps. 94, 3 ff.].
6: Vgl. Ps. 79, 7 [hebr. Ps. 80, 7].
7: Ps. 79, 9 [hebr. Ps. 80, 9].

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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