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Gregor v. Nazianz († 390) - Reden
IV. Rede

98.

Vor allem wundere ich mich, daß er, der mit unseren Lehren so vertraut war, das Wort „Der Sünder wird elend zugrunde gehen1“ nicht gelesen oder absichtlich [S. 137] übergangen hatte. Zugrunde gehen werden alle, die Gott verleugnet haben, und, was noch schlimmer ist, diejenigen verstoßen, welche ihrem Bekenntnisse treu verbleiben, und sie in Leiden stürzen, die sie selbst verdient hätten. Wenn Julian, der uns an die genannten Gesetzesvorschriften erinnert, damit wir uns nach deren Bestimmungen richten, uns zeigen kann, daß ihm selbst das Gesetz gegeben ist, ein großer Sünder zu sein, bzw. daß seine Götter Freude daran haben, und daß von den beiden verschiedenen Mächten, der Tugend und dem Laster, uns der bessere Teil bestimmt ist, ihm und den Seinigen dagegen der schlimmere zufällt, so möge er es bekennen! Sollten aber auch sie, wenn nicht infolge ihrer Taten, so doch wenigstens infolge ihrer Worte auf Rechtschaffenheit und Milde Anspruch erheben und sollten sie trotz all ihrer Schlechtigkeit und trotz ihrer Freude an sündhaften Göttern doch noch nicht so schamlos sein, daß sie erklären, die Sünde sei gewissermaßen ihr Lebensberuf, dann mögen sie dartun, warum und mit welchem Recht wir leiden und ertragen müssen, während sie nicht einmal die zu schonen brauchen, welche Barmherzigkeit üben! Möge er es sich überlegen! Als für uns die Zeit der Macht kam, dagegen für euch sich die Verhältnisse immer wieder änderten und umgestalteten, hattet ihr da je von den Christen so etwas zu ertragen, wie die Christen von euch zu erdulden hatten? Welcher Freiheit haben wir euch beraubt? Gegen wen haben wir das erhitzte Volk aufgehetzt, gegen wen übereifrige Beamte? Wen haben wir in Lebensgefahr gebracht? Wen haben wir vor allem aus Ämtern verdrängt? Haben wir, wenn Ehren den Tüchtigsten gebührten, sie darum gebracht? Um mich kurz zu fassen, haben wir irgendeinem etwas angetan, was in reichlichem Maße uns zugefügt und angedroht worden war? Ihr mögt uns Milde und Barmherzigkeit zum Vorwurf machen, doch diese Fragen könnt ihr nicht bejahen.

1: Ebd. [Matth.] 21, 41.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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