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Gregor v. Nazianz († 390) - Reden
IV. Rede

90.

Wer von denen, die noch ein wenig Gefühl und Herz haben, sollte nicht davon ergriffen werden? Doch bei jenen ließ dies weder die Zeit zu, noch das stürmische Verhalten des Kaisers, das vom Volke, den Städten und den Beamten Grausamkeit verlangte, wenn es auch die Masse, welcher die Tiefe seiner Schlechtigkeit unbekannt war, nicht wollte.

Dies waren die Leiden des starkmütigen alten Mannes. Und wofür ertrug er sie? Er wollte seinen Peinigern auch nicht eine einzige Goldmünze ausliefern. Es war klar, daß er aus religiösen Gründen sich widersetzte. [S. 130] Denn solange die Bewohner von Arethusa, welche den (zerstörten) Tempel sehr hoch einschätzen ließen, die ganze Summe in Gold, bzw. den Wiederaufbau des Tempels forderten, konnte man glauben, daß er sich wegen der Unmöglichkeit, den Befehl auszuführen, und nicht aus religiösen Gründen widersetzt hatte1. Da er sie in kurzer Zeit durch seine Standhaftigkeit besiegte und von der Entschädigungssumme immer mehr abzog, erreichte er es schließlich, daß nur noch eine ganz kleine Summe gefordert wurde, welche sehr leicht bezahlt werden konnte. Während die eine Partei darnach rang, durch Eintreibung irgendeiner Summe zu siegen, strebte Markus darnach, durch Entrichtung keiner Summe Sieger zu bleiben. Allerdings wären viele nicht nur aus religiöser Gesinnung, sondern auch aus Hochachtung vor seiner Unbezwingbarkeit und Unbesiegbarkeit gerne bereit gewesen, eine größere Summe zusammenzusteuern. Markus zeigte damals deutlich, daß es ihm in seinem Kampfe nicht um irdische Schätze zu tun war, sondern daß er seine religiöse Gesinnung betätigen wollte.

1: Julian hatte nicht nur den Kult der heidnischen Götter wieder hergestellt; er verlangte auch von allen denen, welche an der Zerstörung heidnischer Kultstätten sich beteiligt hatten, Schadenersatz. Libanius, Rede 18, 126 (Ausgabe Förster II. 219, 2); Sozomenus 5, 5: Julian, frag. ep. 379, 17 ff. Vgl. Enßlin, Kaiser Julians Gesetzgebungswerk S. 172.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger