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Gregor v. Nazianz († 390) - Reden
IV. Rede

89.

Der betagte Priester, dieser freiwillige Kämpfer, wurde mitten durch die Stadt geschleppt; alle, mit Ausnahme der Verfolger und Wüteriche, hatten wegen seines Alters, besonders aber wegen seines Lebenswandels Ehrfurcht vor ihm. Die ihn führten, gehörten jedem Alter und allen sozialen Schichten ohne Ausnahme an; alles war darunter: Männer und Weiber, Jung und Alt, Staatsmänner und Würdenträger. Diese alle hatten das [S. 129] eine Verlangen, sich an Ausgelassenheit gegenüber dem Greise zu übertreffen. Alle hielten es für eine religiöse Pflicht, Markus möglichst zu plagen und den greisen Helden in seinem Kampfe gegen die ganze Stadt niederzuringen. Durch die Straßen wurde er gezogen, in Kanäle geworfen. Von solchen, welche im Mithraskult mit Fug und Recht geschändet werden, wurde er an den Haaren und am ganzen Körper gezerrt, indem man zur Qual noch den Spott fügte. Von Knaben wurde er Knaben zugeschleudert. Mit Griffeln fingen sie den edlen Körper auf und trieben mit dem Unglück ihr Spiel. Seine Beine wurden bis auf die Knochen gequetscht. Durch seine Ohren wurden sehr steife, dünne Schnüre gezogen. In einem Korbe wurde er in die Höhe gezogen, dann mit Honig und Garumbrühe übergossen, so daß er untertags, als die Sonne glühte, von Wespen und Bienen zerstochen wurde. Indem die Sonne sein Fleisch ausschwitzen ließ, erwärmte sie den Wespen und Bienen die heilige — um nicht zu sagen — armselige Fleischspeise. Da nun soll — was ebenfalls überliefert zu werden verdient — Markus, zwar alt an Jahren, aber jung an Kampfesmut, ohne in den Schrecken den heiteren Sinn zu verlieren, trotz der Martern vergnügt das unvergeßliche, treffliche Wort gesprochen haben: „Wer sich selbst erhöht sieht, die anderen aber erniedrigt und unter sich, mag sich an dem Schauspiel freuen!“ Er war so erhaben über seinen Henkern und so frei von eigenen Schmerzen, als hätte er dem Schicksal eines Fremden zugeschaut und sein Erlebnis nicht als Unglück, sondern als Ehre angesehen.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger