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Gregor v. Nazianz († 390) - Reden
IV. Rede

84.

Ich will noch eine Erzählung beifügen, die ergreifender ist als das Gesagte. Einige von denen, welche sich aus Unwissenheit hatten fangen lassen, sollen, nach diesem Vorfall nach Hause zurückgekehrt, sich mit ihren Kameraden zu Tische gesetzt haben und, als man gewohnheitsgemäß zum starken Wein übergegangen war, nun, wie wenn nichts Schlimmes vorgefallen wäre, beim Becher starken Weines unter Kreuzzeichen und Aufblick zum Himmel Christus angerufen haben. Da aber [S. 124] einer der Kameraden entsetzt fragte: „Wie, zuerst verleugnet ihr Christus, und nun ruft ihr ihn an?“ sollen sie außer sich vor Schrecken geantwortet haben: „Inwieferne haben wir ihn verleugnet? Welche Neuigkeit müssen wir da hören?“ Jener antwortete: „Ihr habt Weihrauch ins Feuer gelegt, womit — wie er belehrend beifügte — Christus verleugnet wurde.“ Sofort sprangen sie nun wie wahnsinnig und verrückt vom Tische auf und eilten leidenschaftlich und wütend über den Markt unter den Rufen: „Wir sind Christen, Christen! Jeder soll es hören und vor allem Gott, dem wir leben und einst sterben werden. Nicht haben wir dich belogen, Erlöser Christus, nicht haben wir unseren heiligen Glauben verleugnet. Hat die Hand gesündigt, aber die Gesinnung schloß sich ja der Tat nicht an. Der Kaiser hat uns hintergangen, doch vom Golde wurden wir nicht beschmutzt. Wir reinigen uns von der Sünde, durch Blut waschen wir uns.“ Darauf eilten sie zum Kaiser und warfen ihm siegesbewußt das Gold vor die Füße, unter den Rufen: „Nicht Geschenke haben wir erhalten, Kaiser, sondern zum Tode sind wir verurteilt worden. Nicht zu Ehren wurden wir berufen, sondern Schmach wurde uns bestimmt. Erweise deinen Soldaten den Gefallen und opfere uns Christus, dem wir allein dienen! Für das Feuer gib uns Feuer! Für die Asche mache uns zu Asche! Schlage die Hände ab, die wir sündhaft ausgestreckt haben, und die Füße, mit denen wir zur Sünde eilten! Mit Gold magst du andere ehren, welche es entgegennehmen, ohne es zu bereuen! Uns genügt Christus, der uns alles ersetzt.“ So sprachen sie und forderten zugleich die anderen auf, sie sollten den Betrug erkennen, von der Unbesonnenheit erwachen und sich mit ihrem Blute zu Christus bekenne1. Der Kaiser wurde hierüber aufgebracht. Doch mied er es, sie offen hinrichten zu lassen, um sie nicht zu Märtyrern zu machen, was sie aber eigentlich schon waren. Er rächte sich an ihnen, indem er sie in die Verbannung schickte2. Doch [S. 125] dadurch, daß er sie aus seiner schmutzigen, unheimlichen Umgebung entfernte, erwies er ihnen die größte Wohltat.

1: Vgl. Joh. Geffken, „Kaiser Julianus“ (Das Erbe der Alten. VIII. Leipzig 1914) S. 165.
2: Nach Theodoret wurden sie zunächst zum Tode verurteilt. Doch wurde das Todesurteil alsbald in Verbannung gemildert.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger