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Gregor v. Nazianz († 390) - Reden
IV. Rede

74.

Doch auf all dies achtete er nicht, er dachte vielmehr nur daran, wie er seinen Dämonen, die ihn schon wiederholt verdienterweise geschlagen hatten, willfährig sein könnte. Und noch ehe er staatliche Angelegenheiten ordnete, erhob er sich gegen die Christen. Nach zwei Richtungen ging sein Kampf: gegen die Galiläer, wie er selbst spöttisch (die Christen) nannte1, und gegen die Perser, die hartnäckig in ihrer Kriegsstimmung verharrten. Unsere Sache war ihm aber wichtiger und vordringlicher, so daß er den persischen Krieg dagegen nur als eitles Kinderspiel ansah. Er sprach dies zwar nicht aus, aber er verheimlichte es auch nicht. In einem Übermaße wütete er, daß er es immer und immer wieder vor allen zu erkennen gab. Der allergescheiteste und tüchtigste Staatspräsident wußte nicht einmal, daß, während mit den früheren Verfolgungen nur wenig Erschütterungen und Störungen verbunden waren, und zwar deshalb, weil unsere Lehre noch nicht in die Massen gedrungen war, die Wahrheit sich nur erst an wenige gewandt und noch nicht alles erleuchtet hatte, dagegen nunmehr, nachdem die heilsame Lehre [S. 117] sich ausgegossen und bei uns zu einer großen Macht entwickelt hatte, der Versuch, das Christentum umzugestalten und zu erschüttern, nichts war als eine Erschütterung des römischen Staates und eine Gefahr für die Gesamtheit und nichts anderes bedeutete, als Leiden, wie sie der äußere Feind nicht schlimmer wünschen konnte, von seiten der Christen selbst und von seiten dieser neuen, wunderbaren Philosophie und Regierung sich aufladen, der wir unser Glück verdanken und durch die wir zu diesem goldenen Geschlecht und Reich, das keine Revolution und keinen Krieg kennt, geworden sind.

1: Vgl. besonders Julians „Bücher gegen die Christen“. Dieselben sind allerdings verlorengegangen. Doch sind wir darüber noch einigermaßen unterrichtet durch die vom hl. Cyrillus von Alexandrien um 433 verfaßte und dem Kaiser Theodosius II. gewidmete Gegenschrift: „Für die hl. Religion der Christen gegen die Bücher des gottlosen Julian“. Allerdings sind auch von Cyrills Schrift nur die ersten 10 Bücher erhalten und liegen von den Büchern 11―20 nur griechische und syrische Fragmente vor. K. Joh. Neumann suchte Julians Schrift auf Grund dieser Gegenschrift wiederherzustellen: Juliani imperatoris librorum contra Christianos quae supersunt (Leipzig, Teubner 1880). Im gleichen Verlag ließ er dazu 1880 eine deutsche Übersetzung erscheinen: „Kaiser Julians Bücher gegen die Christen“. Julian hatte auf seine erwähnte Schrift bereits in einem Briefe an Photin (Brief 79: Ausgabe Hertlein S. 606) hingewiesen, und zwar mit dem Bemerken, daß er sich „gegen den neuen galiläischen Gott“ wenden wolle.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger