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Gregor v. Nazianz († 390) - Reden
IV. Rede

47.

[S. 98] Nicht möge man ihn bewundern! (Die ihn bewundern), kennen nicht die unfaßbare Tiefe der göttlichen Gedanken, von welchen alles getragen wird, und wollen nicht die Regierung des Schöpfers anerkennen, obwohl er doch in allem weiser ist als wir und seine eigenen Pläne ganz nach seinem Belieben ausführt ― immer natürlich zum Vorteil und Wohl auch derer, welche über ihre Heilung ungehalten sind. Nicht Gottes Gedanken sind es, welche den Julian zur Sünde geführt hatten. Denn da Gott seinem Wesen nach gut ist, ist er nie für die Sünde und für den, der den Weg der Sünde sich erwählte, verantwortlich. Von seinem Vormarsch ließ sich Julian nicht abhalten. In aller Eile marschierte er durch sein eigenes Gebiet, fuhr einen Teil des barbarischen Ufers entlang1 und legte mehr inkognito, denn als Eroberer, die ganze Strecke zurück und rückte in die Nähe der Residenz. Nach der Ansicht seiner Freunde wurde Julian zum Feldzug ermuntert durch sein Vorherwissen und durch das Treiben der Dämonen, welche Erfolg versprachen und in die Geschichte eingreifen; nach wahren Berichten aber unternahm er ihn, da er einen geheimen, verborgenen Plan gefaßt hatte und da er nach Mord verlangte, den er selbst mit Hilfe eines vertrauten Dieners hatte vollbringen lassen. Es handelt sich also nicht um ein Vorherwissen, sondern um ein Wissen, und, was geschah, war nicht die Wohltat von Dämonen, sondern das Werk frevlerischer Gesinnung. Was von der Treffsicherheit der Dämonen in diesen Dingen zu halten ist, hat Persien deutlich gelehrt2. Möge man nicht weiter mehr den raschen Aufmarsch Julians den Dämonen zuschreiben! Allerdings, die Sünde selbst müssen wir ihnen zuweisen.

1: Nämlich der Donau, welche die Grenze gegen die Barbaren bildete. Julian zog 361 von Basel aus durch den Schwarzwald mit 3000 Mann, welche er auf der Donau verschiffte; gleichzeitig mit ihm brachen noch zwei weitere Heere, welche zusammen 20000 Mann zählten, durch Norditalien und Rhätien auf. Julian machte mit seinem Korps am Passe von Sukki, an den Quellen des Hebrus, zwischen Sophia und Philippopel, halt. Vgl. Ammianus Marcellinus 21, 9.
2: Persien bereitete ihm das Ende.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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