Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Gregor v. Nazianz († 390) - Reden
IV. Rede

123.

Unsere Religion weiß nichts von solchen Ausartungen. Denn unsere Philosophie ist Altruismus; sie verlangt, daß wir dem Nächsten das gleiche wünschen wie uns selbst. Nicht nur böse sein, sondern schon nach dem Bösen etwas verlangen, halten wir für Sünde; der Wille wird bestraft wie die Tat. Wir üben in einer Weise Enthaltsamkeit, daß schon der Blick verhindert wird. Unsere Hände wissen nichts von Mord; denn wir enthalten uns schon vom Zorne. Meineid ist uns etwas so [S. 157] Schlimmes und Arges, daß wir allein es sind, welche keinen Eid schwören. Die meisten haben überhaupt keinen Besitz; viele wollen allein deshalb etwas besitzen, damit sie, Armut wie Reichtum liebend, verzichten können. Die bittere, abscheuliche Herrschaft des Magens, des Vaters aller Übel, weisen sie zurück; sie überlassen ihm die Masse. Es ist nicht zu viel gesagt, wenn man behauptet, daß sie sich vom Fleische gewaltsam losgerissen haben, da sie das Sterbliche durch das Unsterbliche überwinden. Ihr moralischer Grundsatz ist, auch nicht in Kleinigkeiten, die die Welt nicht beachtet, zu unterliegen. Der größte Vorzug ist, daß, während andere in ihren Gesetzen (nur) die Ausartungen bestrafen, wir das Übel in seiner Wurzel bekämpfen, den gefährlichen, reißenden Fluß schon an der Quelle dämmend.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Leben und Werk des hl Gregor von Nazianz
Bilder Vorlage

Navigation
. I. Rede
. II. Rede
. III. Rede
. IV. Rede
. . Mehr
. . 107.
. . 108.
. . 109.
. . 110.
. . 111.
. . 112.
. . 113.
. . 114.
. . 115.
. . 116.
. . 117.
. . 118.
. . 119.
. . 120.
. . 121.
. . 122.
. . 123.
. . 124.
. V. Rede
. VI. Rede
. VII. Rede
. VIII. Rede
. IX. Rede
. X. Rede
. XI. Rede
. XII. Rede
. Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger