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Gregor v. Nazianz († 390) - Reden
IV. Rede

118.

[Forts. v. [S. 153] ] Wenn man behaupten sollte, jene Erzählungen seien Einbildungen und Schwätzereien von Dichtern, welche Verse und Mythus um des Kunstgenusses willen brauchen, da sie damit das Gehör befriedigen, und der in den Erzählungen liegende Gedanke sei ihnen selbst ein ziemlich tiefes Geheimnis, in das nur wenige Weise einzudringen vermöchten, so achtet darauf, wie einfach und gerecht ich mich darüber äußere! Zunächst, warum lobt man die, welche ihre verehrten Helden verspotten, und stattet man fast mit göttlichen Ehren diejenigen aus, welche es schon für großen Gewinn ansehen mußten, nicht für ihre Gottlosigkeit gestraft worden zu sein? Wenn schon die Gesetze über die, welche nur einen einzigen Gott privat ein wenig lästern, Tod und Geldstrafe verhängen, was müßten denn alsdann die erdulden, welche mit ihren Gedichten alle Götter zugleich und noch dazu öffentlich und in schändlichster Form angreifen und ihre Komödien noch späteren Zeiten überliefern? Sodann sollte auch folgendes in Betracht gezogen werden: Es gibt auch bei uns ― ich will es nicht leugnen ― Allegorien, doch welcher Art ist ihr Doppelsinn und was bedeuten sie? Einerseits ist ihre äußere Form nicht unanständig, anderseits ist der verborgene Gedanke wunderbar und für die, welche in die Tiefe eingeführt werden, überaus klar; es ist, wie wenn ein schöner, keuscher Körper von einem nicht unschönen Gewande umhüllt wird. Das nämlich, wodurch das Göttliche angezeigt und angedeutet wird, darf meines Erachtens nicht unanständig sein und nicht die Würde des Geoffenbarten verletzen, auch nicht Anstoß erregen, wenn es auf die Menschen bezogen wird. Es muß entweder durchaus tadellos sein oder darf nicht gar schändlich sein, damit es einerseits die Weiseren erfreue, andererseits der Masse nicht schade.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger