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Gregor v. Nazianz († 390) - Reden
II. Rede

79.

Möchte es doch beim leeren Namen bleiben! So aber muß Lästerung über die Häupter der Gottlosen kommen. Alle Furcht ist aus den Seelen verbannt, an ihre Stelle ist Unverschämtheit getreten, jeder beliebige erhebt Anspruch auf Erkenntnis und die Tiefen des Geistes. Wir alle sind nur insofern fromm, als wir andere der Gottlosigkeit beschuldigen. Gottlose Menschen nehmen wir zu Richtern, werfen das Heilige den Hunden und die Perlen den Schweinen vor, indem wir unheiligen Ohren und Herzen die göttlichen Lehren predigen. Wir Armseligen erfüllen sorgfältig die Wünsche der Gegner und schämen uns nicht, unser Tun und Treiben zu beflecken. Moabiter und Ammoniter, denen es nicht einmal erlaubt war, in die Gemeinde des Herrn einzutreten1, dringen in unser Allerheiligstes ein. Nicht die „Tore der Gerechtigkeit2“, wohl aber die Türen der Lästerung und Frechheit gegen den Mitbruder haben wir allen aufgetan. Nicht der ist in unseren Augen der beste, der aus Furcht vor Gott nicht einmal ein „unnützes [S. 49] Wort3“ ausspricht, sondern der, welcher seinen Mitmenschen offen oder versteckt am meisten beschimpft und „unter seiner Zunge Mühe und Schmerz4“ oder ― besser gesagt ― Natterngift verarbeitet.

1: Deut. 23, 3 [= Vulgata] [hebr. u. Septuag. Deut. 23, 4].
2: Ps. 117, 19 [hebr. 118, 19].
3: Matth. 12, 36.
4: Ps. 9, 28 [hebr. Ps. 10, 7].

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger