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Gregor v. Nazianz († 390) - Reden
II. Rede

56.

Wozu soll ich auf Einzelheiten eingehen? Paulus lebte nicht für sich, sondern für Christus und die Predigt; die Welt hatte er sich gekreuzigt, und er war der Welt und dem Sichtbaren gekreuzigt1. Und darum achtet er alles für unbedeutend und zu gering, um darnach zu verlangen. Gleichwohl hat er das Evangelium von Jerusalem und seiner Umgebung in vollem Maße verkündet bis Illyrien2, gleichwohl wurde er in den dritten Himmel entrückt, gleichwohl erhielt er Einblick ins Paradies, gleichwohl durfte er unaussprechliche Worte hören3. So ist Paulus, so sind die Paulusjünger.

Wir aber müssen fürchten, neben diesen als „törichte Herrscher von Tanis4“ zu erscheinen, als Bedrücker, die selbst noch den Halm eintreiben, als schmeichelnde Volksbetrüger5, die ― wie ich beifügen möchte ― sich umschmeicheln lassen, als Pfadverderber6, als spöttische Herrscher und knabenhafte Gebieter, als unreife Männer, die nicht einmal so viel Brot und Kleidung haben, um ein Amt führen zu können7, als Propheten, welche Gottlosigkeit predigen8, als abtrünnige Herrscher, welche es verdienen, um des quälenden Hungers willen mit den Ihrigen verflucht zu werden9, oder als Priester, die weit davon entfernt sind, Jerusalem zu Herzen zu reden10. Alle diese treffenden Vorwürfe sind Isaias entlehnt, der vom Seraphim durch eine Kohle gereinigt worden war11.

1: Gal. 6, 14.
2: Röm. 15, 19.
3: 2 Kor. 12, 4.
4: Is. 19, 11.
5: Ebd. [Is.] 3, 12; 9, 16 [hebr. 9, 15].
6: Ebd. [Is.] 3, 12.
7: Vgl. ebd. [Is.] 3, 7.
8: Ebd. [Is.] 9, 15.
9: Ebd. [Is.] 8, 21.
10: Ebd. [Is.] 40, 2.
11: Ebd. [Is.] 6, 6.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger