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Gregor v. Nazianz († 390) - Reden
II. Rede

39.

Um diese Lehren zu verstehen und eingehend und würdig darzustellen, bedarf es eines Vortrages, der für jetzt, ich glaube sogar für das Leben, zu lang wäre. Noch mehr bedarf es dazu jetzt und jeder Zeit des Geistes, durch welchen allein Gott erkannt, bekannt und verstanden wird. Denn nur der Reine kann den Reinen und Gleichwertigen erfassen. Weshalb haben wir aber nun davon kurz gesprochen? Wir wollten zeigen, daß es für einen Theologen schwer ist, gerade vor einer Menge verschiedenen Alters und verschiedener Begabung, welche gleich einem vielsaitigen Instrumente verschiedener Griffe bedarf, das Wort zu finden, das jeden zu erbauen und mit dem Lichte der Erkenntnis zu erleuchten vermag. Da sowohl der Verstand wie das Wort und das Zuhören Schwierigkeiten bereitet, ist es zunächst unvermeidlich, wenigstens in einer Hinsicht, wenn nicht überall, Fehler zu machen: entweder nämlich fehlt es [S. 26] dem Verstande an Erleuchtung oder dem Worte an Kraft oder es versagt die Zuhörerschaft, weil es ihr an reiner Gesinnung mangelt; ebenso ist es mit Rücksicht auf einen oder auf alle Gründe unvermeidlich, daß die Wahrheit Schaden leidet. Ferner ist die Ängstlichkeit1 der Zuhörer, welche sonst Lehrern die Aufgabe sehr erleichtert und angenehm macht, in unserem Falle nachteilig und gefährlich.

1: εὐλάβεια [eulabeia].

 

 

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Leben und Werk des hl Gregor von Nazianz
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger