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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo XXI-XXX: Zehn Predigten am Geburtsfeste unseres Herrn Jesu Christi.
Sermo XXII. 2. Predigt auf Weihnachten.

3.

Scheint aber nicht gerade d e r Umstand, Geliebteste, daß die Wahl Christi für seine Geburt auf eine Jungfrau fiel, die Folge gründlichster Überlegung gewesen zu sein? Dadurch erfuhr ja der Teufel nichts davon, daß dem Menschengeschlechte das Heil geboren wurde. Und da ihm die Empfängnis durch den Heiligen Geist verborgen blieb, so glaubte er, daß derjenige, der in seinen Augen nichts anders als die andern war, auch nicht auf andere Weise als die übrigen zur Welt gekommen sei. Meinte er doch, daß jener mit allen den gleichen Ursprung habe, dessen Natur, wie er sah, mit allen Ähnlichkeit besaß. Auch erkannte er nicht, daß der von den Banden der Übertretung des göttlichen Gebotes frei sei, den er von den Schwächen der sterblichen Natur nicht ausgeschlossen fand. Denn obwohl Gott, der wahrhaft mit uns Mitleid fühlte, unsäglich viele Mittel für die Erlösung des Menschengeschlechtes zu Gebote gestanden wären, wählte er doch vor allem diesen Weg zur Rettung. Zur Vereitlung des teuflichen Werkes wollte er nicht von der Kraft seiner Allmacht, sondern von dem Prinzipe der Gerechtigkeit Gebrauch machen. Nicht ganz ohne Grund beanspruchte ja der stolze Erbfeind über alle Menschen das Recht eines Gebieters. Nicht mit Unrecht übte er über jene eine drückende Herrschaft aus, die er mit ihrer eigenen Zustimmung der Gebote Gottes entfremdet und durch List seinem Willen dienstbar gemacht hatte. Zu Unrecht also würde er der seit den ersten Zeiten bestehenden Dienstbarkeit des Menschengeschlechtes verlustig gehen, wenn er nicht gerade in dem besiegt würde, was er sich unterworfen hatte. Damit dies geschehen könne, wurde Christus ohne den Samen eines Mannes von einer Jungfrau empfangen, die nicht menschliche Begattung, sondern der Heilige Geist befruchtete. Und während bei allen Müttern die Empfängnis nicht ohne sündige Befleckung vor sich geht, ist für sie das eine Quelle der Reinheit geworden, woraus sie empfangen hat: Wo kein väterlicher Same sich ergoß, da drang auch kein Keim der Sünde ein. Ihre ungeschwächte Jungfräulichkeit wußte nichts von sinnlicher Lust, gab aber den Leib. Der Herr nahm von seiner Mutter nur die menschliche Natur, nicht auch die Schuld. Zur Welt kam eine Knechtsgestalt, doch ohne sich im Zustand der Knechtschaft zu befinden, da der neue Mensch sich s o mit dem Alten verband, daß er auf der einen Seite unsere wahre Art annahm, auf der andern die alte Stammessünde von sich ausschloß.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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