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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo XXI-XXX: Zehn Predigten am Geburtsfeste unseres Herrn Jesu Christi.
Sermo XXII. 2. Predigt auf Weihnachten.

2.

Als demnach, Geliebteste, die Zeit erschien, die im voraus für die Erlösung der Menschen bestimmt war, kehrt der Sohn Gottes, Jesus Christus, auf unserer niedrigen Erde ein, indem er von seinem himmlischen Throne herabsteigt und, ohne die Herrlichkeit seines Vaters zu verlieren, unter neuen Verhältnissen, auf neue Art Mensch wird. Unter neuen Verhältnissen, weil er, unsichtbar in seinem Wesen, sichtbar in unserem wurde, weil er, der Unfaßbare, erfaßt sein wollte, weil er, der vor aller Zeit schon war, in der Zeit seinen Anfang nahm, weil er, der Herr des Weltalls, zur Knechtsgestalt griff, indem er die Würde seiner Majestät verhüllte, weil der des Leidens unfähige Gott es nicht verschmähte, ein leidensfähiger Mensch zu sein und, wenngleich unsterblich, sich vor den Gesetzen des Todes zu beugen. Auf neue Art aber kam er zur Welt, da er von einer Jungfrau empfangen, von einer Jungfrau geboren wurde, ohne Fleischliche Lust von seiten des Vaters, ohne Verlust der Reinheit von seiten der Mutter. Ziemt doch dem künftigen Erlöser der Menschen eine solche Geburt, die das Wesen menschlicher Natur an sich hätte und von der Befleckung menschlichen Fleisches nichts wußte. Ist ja Gott der Erzeuger des im Fleische zur Welt kommenden Gottes , nach der Versicherung des Erzengels, die dieser der seligen Jungfrau Maria gab: "Der Heilige Geist wird auf dich herabkommen, und die Kraft des Allerhöchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das aus dir geboren werden wird, Sohn Gottes genannt werden"1 . Die Erzeugung ist verschieden, die Natur jedoch ganz ähnlich. Seine Geburt hat nichts zu tun mit dem gewöhnlichen Verkehr der Menschen.

Nein, auf göttlicher Macht beruht es, daß eine Jungfrau empfing, eine Jungfrau gebar und dennoch immer Jungfrau blieb. Hierbei muß man nicht die menschliche Natur der Gebärenden im Auge haben, sondern den Willen dessen, der geboren wird, der in der Weise Mensch wurde, wie er es wollte und konnte. Suchst du seine wahre Natur, so erkenne die menschliche Materie, forschest du nach der Art und Weise seiner Menschwerdung, so bekenne dich zu göttlicher Kraft! Denn erschienen ist der Herr Jesus Christus, um von uns alle Befleckung zu nehmen, nicht um sich beflecken zu lassen, nicht um unseren Gebrechen zu unterliegen, sondern um sie zu heilen. Erschienen ist er, um jegliches Siechtum der Verderbnis und alle Eiterbeulen schmutzstarrender Seelen zu kurieren. Darum mußte auch der unter neuen Umständen geboren werden, der dem Leibe des Menschen das neue Gnadengeschenk unbefleckter Reinheit brachte. Mußte doch die Makellosigkeit dessen, der geboren wird, die ursprüngliche Jungfräulichkeit seiner Mutter wahren, und die auf sie ausgeströmte Kraft des göttlichen Geistes das ihm wohlgefällige Bollwerk der Keuschheit und den Wohnsitz der Züchtigkeit rein erhalten. Hatte ja dieser Geist beschlossen, das Gestürzte wieder aufzurichten und das Zerbrochene wieder ganz zu machen und der Keuschheit zum Siege über die Lockungen des Fleisches gesteigerte Kraft zu verleihen, auf daß die Jungfräulichkeit, die bei anderen durch die Geburt nicht unversehrt bleiben konnte, auch bei2 anderen durch ihre Wiedergeburt ein Ziel der Nachahmung würde.

1: Lk 1,35
2: diesem

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger