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Kirchenordnungen - Apostolische Konstitutionen und Kanones (Constitutiones Apostolorum)
1. Die apostolischen Konstitutionen.

Achtes Buch: Von den Gnadengaben; Liturgie des Opfers, der heiligen Weihen und des Stundengebetes; kirchliche Canonen.

[S. 256] 1. Von der Verleihung besonderer Gnaden- und Wundergaben.

Unser Gott und Erlöser Jesus Christus übergibt uns das große Geheimniß der Gottseligkeit 1 und ladet Juden und Heiden zur Erkenntniß des einen und wahren Gottes, seines Vaters, ein, wie er selbst, dankend für die Rettung der Gläubigen, sagt: „Ich habe deinen Namen geoffenbaret den Menschen; ich habe das Werk vollendet, welches du mir gegeben hast;" 2 und unsertwegen zum Vater betet: „Heiliger Vater, die Welt kennet dich zwar nicht: ich aber kenne dich, und Diese haben dich erkannt." 3 Und von den Gnadengaben, welche er durch den hl. Geist gegeben hat, sagt er mit Recht uns allen zugleich, die wir nämlich [S. 257] zur Vollkommenheit gelangt sind: „Die Zeichen aber, die denen folgen, welche glauben, sind diese: In meinem Namen werden sie Teufel austreiben, sie werden neue Sprachen reden, sie werden Schlangen hinwegnehmen, und so sie etwas Tödtliches trinken, wird es ihnen nicht schaden; den Kranken werden sie die Hände auflegen, und es wird mit ihnen besser werden." 4 Diese Gnadengaben oder Geschenke wurden zuerst uns Aposteln verliehen, die wir das Evangelium jeder Kreatur verkünden sollten; sodann aber werden sie nothwendiger Weise auch Denen zu Theil, welche durch uns zum Glauben gelangt sind, und sie werden gegeben nicht zum Nutzen Derer, welche die Wunder wirken, sondern zur Umstimmung der Ungläubigen, damit Diejenigen, welche das Wort nicht überzeugte, die Wundermacht zu Schanden mache. Diese Zeichen werden nicht für uns, die wir gläubig sind, gegeben, sondern für die Ungläubigen, sowohl unter Juden, als auch Griechen. Auch die Austreibung böser Geister bringt nicht uns Gewinn, die wir sie vornehmen, sondern Denen, welche durch die Kraft des Herrn von den dämonischen Einflüssen befreit werden. Hierüber belehrte uns der Herr selbst und zeigte es mit den Worten: „Darüber sollt ihr euch nicht freuen, daß euch die Geister unterthänig sind, sondern freuet euch, daß eure Namen im Himmel geschrieben stehen." 5 Denn Jenes geschieht durch die Kraft des Herrn selbst, Dieses aber durch unsere Sorge und Mühe, wobei wir bekanntlich von ihm unterstützt werden. Es ist also nicht nothwendig, daß jeder Gläubige Teufel austreibe oder Todte erwecke oder in verschiedenen Sprachen rede, sondern derjenige, welchem besondere Gnaden- und Wundergaben aus irgend einem nützlichen Grunde verliehen sind, besitzt dieselben zum Heile der Ungläubigen, die sich häufig nicht durch einen Wortbeweis, wohl aber durch die Macht der Wunder überführen lassen, da sie des Heiles würdig sind; denn nicht alle Gottlosen lassen sich [S. 258] durch Wunder bekehren. Dieß bezeugt der Herr selbst mit den Worten im Gesetze: „In fremden Sprachen und fremden Zungen will ich zu diesem Volke reden, und doch werden sie nicht glauben." 6 Denn auch die Ägyptier glaubten nicht an Gott, obgleich Moses so viele und so große Zeichen und Wunder that. 7 Auch die Mehrzahl der Juden glaubte nicht an Christum, der wie Moses jegliche Krankheit und Noth heilte; die Ägyptier ließen sich auch durch die Verwandlung des Stabes in eine lebendige Schlange, durch das an der Hand geschehene Wunder und durch die Umwandlung des Nil in Blut nicht im Mindesten bekehren; 8 auch die Juden blieben verstockten Herzens, obwohl sie gewahrten, daß Blinde sehen, Lahme geben, Todte aufstehen. 9 Dem Moses widersetzten sich Jannes und Mambres, 10 Christo aber Annas und Kaiphas. So werden nicht alle Menschen durch Zeichen und Wunder zum Glauben gebracht, sondern nur jene, welche ein unbefangenes Urtheil über die Sachen haben, und zu deren Heile Gott, der Alles weise anordnet, Wunder wirken läßt; denn nicht in Folge menschlicher Kraft, sondern kraft göttlichen Willens werden Wunder gewirkt. Hievon thun wir deßwegen Erwähnung, damit ja Keiner, dem solche Gnadengaben verliehen sind, sich über Andere erhebe, welche nicht im Besitze derselben sind. Wir meinen hier jene Gnadengaben, die sich durch Wunder äussern; denn es gibt Niemanden, der durch Christus an Gott glaubt, welcher nicht eine geistige Gnadengabe erhalten hätte; es ist nämlich dieß ein Gnadengeschenk Gottes, befreit zu sein von gottloser Verehrung vieler Götter und durch Christus an Gott den Vater zu glauben, gleichwie es eine Gnadengabe Gottes ist, abgeworfen zu haben die jüdische Decke und zu glauben, daß nach dem Wohlgefallen Gottes der Eingeborne, welcher vor Jahrtausenden das Dasein hatte, am Ende der Zeiten aus einer Jungfrau geboren wurde. [S. 259] ohne Zuthun eines Mannes, und daß er als Mensch hienieden wandelte, ohne Sünde, und jegliche Gerechtigkeit des Gesetzes erfüllte, und daß Gott das Wort, unbekümmert um die Schmach, mit Gottes Zulassung das Kreuz auf sich nahm, und daß er gestorben und begraben wurde und nach drei Tagen auferstanden ist; und daß er nach seiner Auferstehung vierzig Tage mit den Aposteln beisammen blieb und nach Erfüllung aller Anordnung vor ihren Augen aufgenommen wurde zu Gott und dem Vater, welcher ihn gesandt hatte. Wer Dieses glaubt, nicht blindlings und nicht gegen die Vernunft, sondern auf Prüfung hin und mit voller Gewißheit, der hat von Gott eine Gnadengabe erhalten; in gleicher Weise auch der, welcher von jeder Ketzerei rein bewahrt worden ist. Wer also Zeichen und Wunder thut, verurtheile und verdamme nicht jenen Gläubigen, welchem diese Gnadengaben nicht verliehen sind. Verschieden sind nämlich die Gnadengaben Gottes, die von ihm durch Christum ausgetheilt worden sind; und du hast 11 diese empfangen, Jener wieder eine andere, nämlich entweder die Rede der Weisheit oder der (tiefern) Erkenntniß oder die Unterscheidung der Geister oder die Erkenntniß des Zukünftigen, oder die Lehrgabe, oder die Geduld, oder die gesetzliche Enthaltsamkeit. Denn auch Moses, der Mann Gottes, da er in Ägypten Wunder wirkte, erhob sich nicht gegen seine Landsleute, 12 und da er ein Gott genannt worden, ward er nicht stolz gegen seinen Propheten Aaron. So auch Jesus, der Sohn des Nave, welcher nach Moses der Führer des Volkes gewesen, obgleich er im Kriege gegen die Jebusiten, da ein Tag nicht hinreichte zum Siege, die Sonne still stehen ließ gen Gabaon und den Mond gen Ajalon, war nicht übermüthig gegen Phinees oder Kaleb.13 Auch Samuel, welcher so viele Wunder gethan, ließ sich gegen den frommen und Gott lieben David Nichts zu Schulden kommen, sondern beide waren Propheten, jener [S. 260] nämlich der Priester, dieser aber der König. Und da in Israel 14 siebentausend Heilige waren, welche das Knie vor Baal nicht beugten, und aus ihnen Elias und sein Schüler Elisäus allein Wunder wirkten, so hat doch Elias den gottesfürchtigen Hausmeister Abdias, welcher nicht Wunder that, nicht verachtet, noch Elisäus 15 seinen Schüler, welcher vor den Feinden flüchtete, verhöhnt; aber auch der weise Daniel,16 welcher zweimal aus dem Rachen der Löwen befreit wurde, noch die drei Jünglinge, welche aus dem Feuerofen befreit wurden, ließen den übrigen Männern ihres Volkes davon Etwas fühlen. Denn sie wußten, daß sie nicht durch ihre Kraft den Gefahren entkommen, sondern daß sie durch Gottes Kraft sowohl Wunder gewirkt haben als in den Bedrängnissen gerettet worden. Daher soll Niemand von euch, wenn auch Prophet oder Wunderthäter, sich gegen seinen Bruder erheben. Denn ergäbe es sich, daß kein Ungläubiger mehr wäre, so wäre fürder jegliches Wunderwirken überflüssig. Denn fromm zu sein, entspringt aus dem guten Willen eines Jeglichen, aber Wunder zu wirken aus der Kraft Desjenigen, welcher die Wundergabe verleiht; das Erstere davon bezieht sich auf uns selbst, das Andere auf Gott, welcher aus oben genannten Gründen wirkt. Folglich soll auch der König die ihm untergebenen Feldherrn, der Herrscher seine Untergebenen nicht gering schätzen. Denn wenn es keine Untergeordneten gäbe, so wären die Präfekten überflüssig, und wenn es keine Führer des Heeres gäbe, so könnte das Reich nicht bestehen: so soll auch nicht der Bischof gegen die Diakonen oder Priester sich erheben und nicht die Priester gegen das Volk; denn aus beiden besteht die Gemeinschaft. Die Bischöfe und Ältesten sind Priester für Jemanden (für die Laien), und die Laien sind für Jemanden (für die Priester) Laien; und ein Christ zu sein, steht in unserer Macht, aber Apostel oder Bischof [S. 261] oder etwas Ähnliches, das ist nicht in unserer Macht, sondern wem Gott das Charisma verleiht. Dieses also bisher Gesagte bezieht sich auf Diejenigen, welche gewürdigt worden, Gnadengaben oder Würden zu empfangen.

1: I. Tim. 3, 16.
2: Joh. 17, 6. 4.
3: Joh. 17, 11. 25.
4: Matt. 16, 17. 18.
5: Luk. 10, 20.
6: Is. 28, 11;I. Kor. 14, 21.
7: Deuter. 18.
8: Exod. 7 u. 4.
9: Matth. 11, 5
10: II. Tim. 3, 8.
11: I. Kor. 12, 8.
12: Exod. 7, 1.
13: Jos. 10.
14: III. Kön. 19, 18.
15: IV. Kön. 6.
16: Dan. 6, 14. 3.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger