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Athanasius (295-373) - Rundschreiben an die Bischöfe Ägyptens und Libyens (Epistula ad episcopos Aegypti et Libyae)

22.

Denn sehet, wie sie, die früher sich bekämpften, jetzt wie Herodes und Pontius in der Lästerung gegen unsern Herrn Jesus Christus übereinstimmen. Deßhalb verachtet man sie wohl mit Recht, weil sie ihrer eigenen Angelegenheiten wegen einander befeindeten, in der Feindschaft gegen die Wahrheit aber und in der Gewissenlosigkeit gegen Gott Freunde geworden sind und sich die Hand drücken und jedes unerwünschte Leiden gerne ertragen, jeder Theil wegen des aus der Erreichung seines Zieles ihm entspringenden eigenen Vergnügen, die Melitianer wegen des Vorsteheramtes und rasender Geldgier, die Ariomaniten wegen ihrer Gottlosigkeit, daß sie bei einem solchen Bündniß ihre böse Gesinnung einander leihen können, und die Erstern die Gottlosigkeit der Letztern zum Scheine annehmen, diese aber in ihrer Verdorbenheit mit der Bosheit der Erstern zusammentreffen und so, indem sie gemeinsam die ihnen eigenen Ver- [S. 41] kehrtheiten wie im Becher Babylons 1 mischen, die verfolgen, welche gegen unsern Herrn Jesus Christus die rechte Frömmigkeit üben. Es war die Verworfenheit und Ränkesucht der Melitianer auch ehedem Allen klar, und es war auch die Gottlosigkeit und gottesfeindliche Häresie der Arianer längst überall und Allen offenkundig. Denn die Zeit ist nicht kurz. Vielmehr sind die Einen vor fünfundfünfzig Jahren2 Schismatiker geworden. Diese aber sind vor sechsunddreissig Jahren 3 als Häretiker erklärt und durch den Urteilsspruch der ganzen ökumenischen Synode aus der Kirche ausgeschlossen worden. Aus dem aber, was sie jüngst thaten, ist auch denen, die ihnen offen anzuhängen schienen, nunmehr deutlich geworden, daß sie uns und alle rechtgläubigen Bischöfe von Anfang an aus keinem andern Grunde verfolgten, als wegen ihrer gottlosen Häresie. Denn sieh, was die Anhänger des Eusebius längst anstrebten, ist jetzt geschehen. Sie haben es dahin gebracht, daß die Kirchen uns entrissen sind, haben die Bischöfe und Priester, die mit ihnen nicht in Gemeinschaft standen, wie es ihnen beliebte, in die Verbannung geschickt, den Laien, die es nicht mit ihnen hielten, die Kirchen verschlossen und sie den Arianern, die schon so lange verurtheilt sind, ausgeliefert, damit sie, unterstützt von der Heuchelei der Melitianer, volle Freiheit hätten, in denselben ihre gottlosen Reden auszuspeien und, wie sie zu thun Pflegen, dem Antichrist, der die Häresie in ihr Herz aussäte, den Weg des Betruges zu bereiten.

1: Offenb. 18, 6.
2: Im Jahre 301.
3: Im Jahre 320. Vgl. einleitende Notizen S. 8.

 

 

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Einleitende Notizen: Athanasius Rundschreiben an die Bischöfe Ägyptens und Libyens
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger