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Athanasius (295-373) - Rundschreiben an die Bischöfe Ägyptens und Libyens (Epistula ad episcopos Aegypti et Libyae)

17.

Aber es steht geschrieben, sagen sie: „Der Herr schuf mich als Anfang seiner Wege für seine Werke." 1 Die Unwissenden und Geistesbeschränkten! Er wird auch Knecht in der Schrift genannt und Sohn der Magd und Lamm und Schaf, und es heißt von ihm, daß er müde geworden ist, durstete, geschlagen wurde und gelitten hat. Aber es hat das, wie es uns in der Schrift gemeldet wird, wieder seine Rechtfertigung und seinen nahe liegenden guten Grund. Er liegt darin, daß er Mensch und Menschensohn geworden ist, indem er Knechtsgestalt annahm, die das menschliche Fleisch war. Denn das Wort, sagt Johannes, ist Fleisch geworden. Wenn er aber Mensch geworden ist, so soll Niemand an solchen Worten Ärgerniß nehmen. Denn einem Menschen ist es eigen, geschaffen zu werden, zu entstehen, gebildet zu werden, sich abzumühen, zu leiden, zu sterben und von den Todten auferweckt zu werden. Und er hat als Wort und Weisheit des Vaters Alles vom Vater, die Ewigkeit, die Unveränderlichkeit, die Ähnlichkeit in Bezug auf Alles und in Allem, daß er nicht früher und nicht später, sondern zugleich mit dem Vater besteht, und daß er die Gestalt der [S. 34] Gottheit selbst ist und die Schöpferkraft, und daß er nicht geschaffen wird. Denn da er der Sudstanz nach dem Vater ähnlich ist so ist er wohl nicht geschaffen, sondern Schöpfer, wie er selbst gesagt hat: „Mein Vater wirkt bis zur Stunde, und ich wirke."2 Ebenso muß man, da er Mensch geworden ist und Fleisch angezogen hat, von ihm sagen, daß er geschaffen und gemacht werde, so wie Alles, was dem Fleisch eigen ist, mögen diese auch wie jüdische Wirthe Wasser unter den Wein mischen. 3 indem sie das Wort erniedrigen und auf seine Gottheit die Vorstellungen von den entstandenen Dingen anwenden. Deßhalb waren denn auch mit Fug und Recht die Väter ungehalten und belegten diese ganz gottlose Häresie mit dem Anathem. Sie aber sind um ihre Häresie besorgt, da sie sich leicht widerlegen läßt und von allen Seiten unhaltbar ist, und verbergen sie. Und wir schreiben dieß Wenige zu ihrer Verurtheilung. Wenn aber Einer auf eine umfangreichere Widerlegung derselben eingehen will, so wird er finden, daß diese Häresie dem Heidenthum nicht ferne stehe und der schlechteste Abschaum der übrigen Häresien sei. Denn Jene irren entweder in Bezug auf den Leib und die Menschwerdung des Herrn, indem die Einen auf diese, die Andern auf jene Weise die Wahrheit verletzen, oder darin, daß der Herr ganz und gar nicht gekommen sei, in welcher irrigen Meinung sich die Juden befinden. Diese Häresie allein hat, von größerer Wuth erfaßt, sich an die Gottheit selbst gewagt, indem sie behauptet, es gebe überhaupt kein Wort, noch sei der Vater immer Vater. Daher kann man mit gutem Recht annehmen, daß gegen sie jener Psalm geschrieben sei: „Der Unverständige sprach in seinem Herzen: Es ist kein Gott. Sie sind ins Verderben gerathen und verabscheuenswert geworden in ihren Bestrebungen." 4

1: Sprüchw. 8, 22.
2: Joh. 5,17.
3: Js. 1,22
4: Psalm 52, 1.2.

 

 

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Inhaltsverzeichnis
Einleitende Notizen: Athanasius Rundschreiben an die Bischöfe Ägyptens und Libyens
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger