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Athanasius (295-373) - Rundschreiben an die Bischöfe Ägyptens und Libyens (Epistula ad episcopos Aegypti et Libyae)

16.

Es haben sich also die sonderbaren Menschen in dieser Beziehung bereits den Manichäern beigesellt. Denn auch diese reden nur dem Namen nach von einem guten Gotte und können von ihm kein Werk, weder ein sichtbares, noch ein unsichtbares nachweisen, und indem sie den wahren und wahrhaft seienden Gott, der Himmel und Erde und alles Unsichtbare gemacht hat, läugnen, erzählen sie lauter Fabeln. Das, glaube ich, lassen auch diese Übelgesinnten sich beikommen. Denn sie sehen die Werke des wahren Wortes, das allein im Vater ist, und läugnen dieses und erdichten [S. 32] sich ein anderes Wort, das sie weder aus Werken, noch aus Etwas, was sie hören, nachweisen können, sie müßten denn etwa einen zusammengesetzen Gott, der wie ein Mensch spricht und die Worte wechselt und ebenso wieder denkt und nachsinnt, annehmen und erdichten, indem sie nicht sehen, welch großen Unsinn sie mit diesen Worten ausgesprochen haben. Denn wenn er aufeinanderfolgende Worte hat, so halten sie ihn gar sehr für einen Menschen. Wenn sie aber aus ihm hervorgebracht werden und dann verschwinden, so sind sie noch gottloser, weil sie das, was vom Seienden kommt, der Auflösung verfallen lassen, so daß es nicht ist. Denn wenn sie überhaupt annehmen, daß er zeugt, so ist es besser und gottesfürchtiger, zu sagen, daß Gott Erzeuger eines einzigen Wortes sei, das die Fülle seiner Gottheit ist, in dem auch Schätze jeder Kenntniß verborgen sind, und zu sagen, daß dieses sei und mit seinem Vater zugleich bestehe, durch das auch Alles entstanden ist, als Gott für den Vater vieler nicht erscheinender Dinge zu halten, oder als zusammengesetzt aus vielen Dingen, und als menschlichen Leiden unterworfen und veränderlich sich Den vorzustellen, der einfach von Natur ist. Da ferner der Apostel sagt: „Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit."1 so rechnen sie zu den vielen Kräften als Einen auch Diesen, und das Schlimmste ist, daß die Frevler ihn mit der Raupe und den übrigen Thieren vergleichen, die von ihm zur Strafe geschickt werden. Wenn ferner der Herr sagt: „Niemand kennt den Vater, ausser der Sohn." 2 und wieder: „Nicht als ob Jemand den Vater gesehen hätte, ausser der beim Vater ist,"3 wie sind diese nicht wahrhaft Feinde Gottes, da sie sagen, daß der Sohn den Vater vollkommen weder sehe noch erkenne? Denn wenn der Herr sagt: „Wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne," 4 der Vater aber den Sohn nicht theilweise erkennt, wie sind sie nicht wahnsinnig, wenn sie daher schwätzen, daß der Sohn zum Theil und nicht in [S. 33] voller Sättigung den Vater erkennt? Wenn ferner der Sohn einen Anfang des Seins hat und auch Alles einen Anfang des Werdens hat, so sollen sie sagen, was vor dem Andern den Vorrang hat5 Aber die durchtriebenen Menschen können weder Etwas sagen noch vom Worte so einen Anfang nachweisen. Denn es ist des Vaters wahre und ihm eigene Zeugung, und „im Anfang war das Wort, und das Wort bei Gott, und Gott war das Wort." Denn auf ihre Behauptung, daß der Sohn seine Substanz nicht kenne, ist eine Erwiderung überflüssig, man müßte nur ihrem Wahnsinn das Unheil sprechen wollen, wenn das Wort sich selbst nicht kennt, das Allen die Kenntniß vom Vater und von sich selbst gewährt und die tadelt, die sie nicht kennen.

1: 1 Kor. 1, 24.
2: Matth. 11. 27.
3: Joh. 6.46.
4: Joh. 10. 15.
5: xxxxx xxxx. Montfaucon accentuirt xxxxx und übersetzt: quid primum exstiterit.

 

 

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Einleitende Notizen: Athanasius Rundschreiben an die Bischöfe Ägyptens und Libyens
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger