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Athanasius (295-373) - Rundschreiben an die Bischöfe Ägyptens und Libyens (Epistula ad episcopos Aegypti et Libyae)

11.

Begegnet ihnen nun das aus Unwissenheit, so trifft sie wohl der Vorwurf der Unbesonnenheit, weil sie über Dinge Behauptungen aufstellen, von denen sie keine Kenntniß haben. Verstellen sie sich aber mit Bewußtsein, so trifft sie um so größerer Tadel, weil sie, wenn sie wegen ihrer eigenen Angelegenheiten zu Rathe gehen, Nichts als gleichgültig ansehen, wenn sie aber über den Glauben an unseren Herrn schreiben, die Sache wie eine Spielerei behandeln und sich um Alles mehr als um die Wahrheit kümmern, von den Vorwürfen gegen ihre Häresie schweigen und Schriftstellen vorbringen. Das ist aber geradezu eine Vorenthaltung der Wahrheit und voll von jeder Ungerechtigkeit. Und das wird gewiß auch euere Gottesfurcht aus Folgendem sehr wohl abnehmen können. Niemand nämlich, der des Ehebruchs angeklagt ist, sucht die Anklage des Diebstahls von sich abzuwälzen, und Niemand, der eine Anklage auf Mord erhebt, gibt sich zufrieden, wenn die Angeklagten sich mit den Worten vertheidigen: Wir haben keinen Meineid geschworen, sondern vielmehr das anvertraute Gut aufbewahrt. Denn das ist eher ein Scherz als eine Widerlegung der Unklar und als ein Beweis der Wahrheit. Denn was hat ein Mord mit einem anvertrauten Gute zu schaffen, oder was ein Ehebruch mit einem Diebstahl? Denn wenn auch die bösen Werke, die aus dem nämlichen Herzen kommen, mit einander zusammenhängen, so haben sie doch, wenn [S. 25] es sich um die Rechtfertigung des Vergehens handelt, in dieser Hinsicht unter sich keine Gemeinschaft. Und als daher Achan, wie im Buche Josue, des Sohnes des Nave, geschrieben steht, wegen Diebstahls angeklagt wurde, 1 vertheidigte er sich nicht mit Berufung auf seine guten Dienste im Kriege, sondern des Diebstahls überführt wurde er von Allen gesteinigt. Und Saul, gegen den die Klage der Saumseligkeit und Gesetzesverletzung erhoben wurde, gewann Nichts, indem er sich auf Anderes stützte. Denn die Rechtfertigung hinsichtlich der einen Beschuldigung bewirkt nicht die Freisprechung in andern Anklagen. Vielmehr muß man, wenn man in gesetzlicher und rechtmässiger Weise Alles thun soll, sich hinsichtlich dessen, worauf die Anklage lautet, auch vertheidigen und entweder beweisen, daß man es nicht gethan hat, oder wenn man überwiesen wird, versprechen, sich nicht mehr damit befassen und das Nämliche nicht mehr thun zu wollen. Wenn man es aber gethan und vollführt hat und es nicht eingestehen, sondern es geheim halten und das Eine für das Andere sagen wollte, so tritt deutlich hervor, daß ein Solcher nicht recht gehandelt hat, sondern sich selbst seiner Gesetzesübertretung bewußt ist. Wozu aber bedarf es vieler Reden, da sie selbst Ankläger der arianischen Häresie sind? Wenn sie nämlich ihre gotteslästerischen Worte nicht offen auszusprechen wagen, sondern sie vielmehr zurückhalten, so sehen sie offenbar ein, daß diese Häresie der Wahrheit fremd und ferne sei. Da sie aber selbst sich zurückhalten und Scheu tragen, sich auszusprechen, so müssen wir die Umhüllung der Gottlosigkeit wegnehmen und die Häresie schauen lassen, da wir wissen, was damals die Anhänger des Arius sagten, und wie sie aus der Kirche verbannt und aus dem Klerus ausgeschlossen wurden. Wir bitten im Voraus um Vergebung wegen der schmutzigen Worte, die wir vorbringen werden. Denn nicht als Ausdruck unserer Gesinnung, sondern zur Widerlegung der Häretiker sagen wir Dieß. [S. 26]

1: Jos. 7, 11 und 19.

 

 

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Einleitende Notizen: Athanasius Rundschreiben an die Bischöfe Ägyptens und Libyens
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger