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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo XII-XX: Neun Predigten über das Fasten im Dezember.
Sermo XIX. 8. Predigt über das Fasten im Dezember.

2.

Eine solche segensreiche Enthaltung gebietet uns, Geliebteste, vor allem das kirchliche Fasten. Dies ist der Lehre des Heiligen Geistes gemäß s o über den Kreislauf eines ganzen Jahres verteilt, daß wir das Gebot, uns zu kasteien, in jeder Jahreszeit wiederfinden. Im Frühling unterziehen wir uns dem Fasten während der vierzig Tage vor Ostern, im Sommer zu Pfingsten, im Herbst im September und im Winter im Dezember, in dem wir jetzt stehen. Dadurch bringen wir zum Ausdruck, daß keine Zeit von diesem Gebote Gottes ausgenommen ist, und sich die ganze Natur in den Dienst des göttlichen Wortes stellt, um uns zu unterweisen. So werden wir gerade durch die vier Jahreszeiten gewissermaßen wie durch die vier Evangelien unablässig darüber belehrt, was wir predigen und tun sollen. Der Prophet sagt: "Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes, und das Firmament verkündet die Werke seiner Hände. Ein Tag überbringt dem andern das Wort, und eine Nacht gibt der andern davon Kunde"1 . Was gibt es da noch, wodurch die Wahrheit nicht zu uns spräche? Bei Tag und Nacht vernimmt man ihre Stimme. Und die Pracht der Welt, die der eine Gott erschuf, ruft in einem fort unserem Herzen die weise Lehre zu: "Erkennet das Unsichtbare an Gott in seinen Werken2 und dient nicht den Geschöpfen, sondern dem Schöpfer aller Dinge selbst3 . Wenn nun alle Laster durch Enthaltsamkeit ausgerottet werden, und alle Wünsche der Habsucht, des Stolzes und der Sinnlichkeit dieser mächtigen Tugend unterliegen, wie könnte da noch jemand im unklaren darüber sein, welch großen Schutz uns das Fasten gewährt, das von uns nicht nur Enthaltsamkeit im Essen, sondern auch Bezähmung aller fleischlichen Lust verlangt! Vergebliche Mühe wäre es, zu hungern, wenn man nicht auch von seinem sündhaften Begehren lassen wollte. Vergeblich wäre es, sich durch kärgliche Kost zu kasteien, wenn man nicht eiligst vor der schon geplanten Sünde zurückwiche. Ein Fasten, das nur das Fleisch, nicht aber den Geist berührt, treffen wir dort, wo man nur dem Leibe zusetzt, dagegen bei dem verharrt, was alle Genüsse an Schädlichkeit übertrifft. Was frommt es der Seele, sich äußerlich gewissermaßen als Herrin aufzuspielen und innerlich wie eine gefangene Sklavin geknechtet zu sein? Was frommt es ihr, dem Organismus ihres Leibes zu gebieten und das Recht der eigenen Selbstständigkeit zu verlieren? Mit Recht muß sich zumeist die Seele dessen den Widerstand ihres Dieners gefallen lassen, die Gott, ihrem Herrn, nicht die gebührende Unterwürfigkeit erweist. Enthält sich also unser Leib der Speisen, so enthalte sich auch unsere Seele der Sünden! Nach den Gesetzen ihres königlichen Gebieters richte sie über alles, womit wir uns auf Erden absorgen und wonach wir streben!

1: Ps 18,2
2: vgl.Röm 1,20
3: ebd 25

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger