Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo XII-XX: Neun Predigten über das Fasten im Dezember.

Sermo XVIII. 7. Predigt über das Fasten im Dezember.

1.

Geliebteste! Die von Gott zur Heiligung unseres Geistes und Körpers angeordneten Schutzmittel werden uns gerade deshalb bei der Wiederkehr gewisser Tage und Zeiten immer wieder aufs neue geboten, damit uns schon diese Arzneien unsere Schwächen zum Bewußtsein bringen. Die unbeständige, durch den Sündenfall dem Tode geweihte Natur des Menschen ist trotz ihrer Erlösung, trotz ihrer durch die heilige Taufe erlangten Wiedergeburt um so mehr zum Schlechteren geneigt, je empfänglicher sie für alles Sinnliche ist. So wäre die Lust des Fleisches ihr Verderben, fände sie nicht Stärke durch geistige Hilfe. Wie es für sie stets etwas gibt, was sie zu Fall bringen kann, so hat sie auch immer zur Hand, was ihr Widerstandskraft zu leihen vermag. Das beweisen die Worte des Apostels: "Gott ist getreu; er wird euch nicht über euere Kräfte versuchen lassen, sondern einen Ausweg schaffen, daß ihr bestehen könnt"1 . Wie sehr aber auch der Herr seine Krieger schirmt, wie sehr auch jener, "der mächtig ist im Streite"2 , die für ihn Kämpfenden anspornt, indem er sagt: "Fürchtet euch nicht; denn ich habe die Welt überwunden!"3 , so muß man sich doch vergegenwärtigen, Geliebteste, daß solche Ermutigungen zwar die Angst beseitigen, nicht aber den Kampf, daß die Veranlassung zum Streite bestehen bleibt, wenn auch der Stachel der Furcht seine Spitze verloren hat. Schrecklich ist der Kampf, den der listige Feind durch wütende Verfolgungen gegen uns führt, aber viel verderblicher ist der, den er unter dem Schein des Friedens mit uns beginnt. Wo ein Kampf vor den Augen aller ausgefochten wird, da erringt man auch den Siegeskranz vor den Augen aller, und gerade das reizt und entflammt zu tapferer Ausdauer, daß unserem Ringen sogleich auch der Lohn folgt. Wenn aber die offenen Angriffe der Gottlosen ruhen und der Satan vom Morden und Martern der Gläubigen abläßt, damit nicht das Anhalten der Grausamkeiten unsere Siegestrophäen mehrt, dann greift jener Widersacher knirschend statt zu blutigen Verfolgungen zu heimlicher Arglist, so daß er die durch Trägheit gleichgültig macht oder durch Leidenschaften umgarnt, oder durch Ehrgeiz aufbläst, oder durch Wollust verdirbt, die er nicht durch Hunger und Kälte, durch Feuer und Schwert zu bezwingen vermochte.

1: 1 Kor 10,13
2: Ps 23.8
3: Joh 16,33

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis

Navigation
Sermo I-V: Dankrede ...
Sermo VI-XI: Sechs ...
Sermo XII-XX: Neun ...
. Sermo XII. 1. Predigt ...
. Sermo XIII. 2. Predigt ...
. Sermo XIV. 3. Predigt ...
. Sermo XV. 4. Predigt ...
. Sermo XVI. 5. Predigt ...
. Sermo XVII. 6. Predigt ...
. Sermo XVIII. 7. Predigt ...
. . 1.
. . 2.
. . 3.
. Sermo XIX. 8. Predigt ...
. Sermo XX. 9. Predigt ...
Sermo XXI-XXX: Zehn ...
Sermo XXXI-XXXVIII: ...
Sermo XXXIX-L: Zwölf ...
Sermo LI: Homilie übe...
Sermo LII-LXX: Neunzehn ...
Sermo LXXI-LXXII: Zwei...
Sermo LXXIII-LXXIV: ...
Sermo LXXV-LXXVII: ...
Sermo LXXVIII-LXXXI: ...
Sermo LXXXII-LXXXV: ...
Sermo LXXXVI-XCIV: ...
Sermo XCV-XCVI: Homilie ...

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger