Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo XII-XX: Neun Predigten über das Fasten im Dezember.
Sermo XVI. 5. Predigt über das Fasten im Dezember.

4.

So übt also der Satan bei allem, was verwerflich ist, unter vielerlei Formen seine Herrschaft aus. Geradezu eine Hochburg aber schuf er sich in der wahnwitzigen Lehre der Manichäer . Bei diesen fand er einen weiten Tummelplatz, um es noch toller treiben zu können. Hier gebot er unumschränkt nicht nur über eine Art der Verworfenheit, sondern über alle nur erdenklichen Torheiten und Ruchlosigkeiten zusammengenommen. Alle Lasterhaftigkeit der Heiden, alle Verstocktheit der "fleischlich gesinnten" Juden, alles Verbotene in den Geheimlehren der Magie, all die Sakrilegien und Gotteslästerungen in sämtlichen Häresien, all dies hat sich bei dieser Sekte wie in einer Art von Senkgrube zugleich mit allem anderen Unrat angesammelt. Daher würde es außerordentlich viel Zeit beanspruchen, ihre gotteslästerlichen und schändlichen Taten insgesamt aufzuzählen. Die Zahl ihrer Verbrechen ist eben größer als die Menge der dafür zu Gebote stehenden Worte. Es genügt, einige davon zur Sprache zu bringen, damit ihr auf Grund dessen, was ihr hört, auch über d a s urteilen könnt, was wir aus Schamgefühl übergehen. Was dagegen der Herr über ihren Gottesdienst, der ebenso unzüchtig wie frevelhaft ist, unserer Untersuchung offenbaren wollte, das lassen wir nicht unerwähnt, damit niemand der Ansicht sei, als hätten wir in dieser Sache nur einem unbestimmten Gerücht und unbegründeten Mutmaßungen Glauben geschenkt. Wir ließen also ihre sogenannten auserwählten Männer und Frauen zu einer Sitzung kommen, an der mit mir Bischöfe und Presbyter teilnahmen, und zu der auch vornehme Christen zugezogen waren. Nachdem sie über ihre verkehrten Glaubenssätze und über den gewöhnlichen Hergang ihrer Feste genügend Aufschluß gegeben hatten, enthüllten sie auch eine verruchte Tat, die auch nur zu erwähnen man sich schon schämen muß. Die Untersuchung darüber wurde so peinlich geführt, daß weder für die, welche nicht recht an die Sache glauben wollen, noch für die gewohnheitsmäßigen Nörgler der geringste Zweifel mehr bestehen kann. Sämtliche Personen waren zugegen, unter deren Mithilfe die abscheuliche Tat begangen wurde: ein Mädchen natürlich im Alter von höchstens zehn Jahren und zwei Weiber, die es aufgezogen und zu solch schändlichem Werke bestimmt hatten. Anwesend war auch der kaum dem Knabenalter entwachsene junge Mensch, der das Mädchen geschändet hatte, und ihr eigener Bischof, von dem ein so verabscheuungswürdiges Verbrechen angeordnet worden war. All diese Leute sagten mit gleichen Worten ein und dasselbe aus. Dabei kamen Abscheulichkeiten zutage, die wir kaum anhören konnten. Keusche Zuhörer durch offenere Aussprache verletzen zu müssen, das erlassen uns die Beweisakten, aus denen sich aufs deutlichste ergibt, daß sich keinerlei Zucht, keinerlei Ehrbarkeit, keine Spur von Schamhaftigkeit bei dieser Sekte findet, deren Gesetz die Lüge, deren Religion der Teufel, deren Opfer die Schande ist.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis

Navigation
Sermo I-V: Dankrede ...
Sermo VI-XI: Sechs ...
Sermo XII-XX: Neun ...
. Sermo XII. 1. Predigt ...
. Sermo XIII. 2. Predigt ...
. Sermo XIV. 3. Predigt ...
. Sermo XV. 4. Predigt ...
. Sermo XVI. 5. Predigt ...
. . 1.
. . 2.
. . 3.
. . 4.
. . 5.
. . 6.
. Sermo XVII. 6. Predigt ...
. Sermo XVIII. 7. Predigt ...
. Sermo XIX. 8. Predigt ...
. Sermo XX. 9. Predigt ...
Sermo XXI-XXX: Zehn ...
Sermo XXXI-XXXVIII: ...
Sermo XXXIX-L: Zwölf ...
Sermo LI: Homilie übe...
Sermo LII-LXX: Neunzehn ...
Sermo LXXI-LXXII: Zwei...
Sermo LXXIII-LXXIV: ...
Sermo LXXV-LXXVII: ...
Sermo LXXVIII-LXXXI: ...
Sermo LXXXII-LXXXV: ...
Sermo LXXXVI-XCIV: ...
Sermo XCV-XCVI: Homilie ...

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger