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Hieronymus († 420) - Briefe
II.c. Aszetische Briefe. Pädagogische Briefe
128. An Pacatula

2.

Manche befolgen die Sitte, dem Mädchen, das sie durch ein Gelöbnis für das jungfräuliche Leben bestimmt haben, schwarze Kleider anzuziehen und ihm einen dunkeln Mantel umzuhängen. Sie entziehen ihm die Leinwand, sie dulden nichts von Gold an seinem Halse oder auf seinem Kopfe. Gewiß verfolgen sie dabei eine löbliche Absicht. Sie wollen nicht, daß das Kind sich im zarten Alter an Dinge gewöhne, die es später ablegen muß. Andere aber vertreten eine entgegengesetzte Meinung. Sie sagen: Wird das Kind denn nicht bemerken, daß andere besitzen, was ihm abgeht? Das weibliche Geschlecht ist nun einmal schmuckliebend. Von vielen, deren keuscher Sinn über jeden Zweifel erhaben ist, wissen wir, daß sie sich, wenn auch für keinen Mann, so doch für sich gern schmücken. Diese Dinge wird sie um so rascher leid werden, wenn sie sie besitzt, wenn sie wahrnimmt, wie auch andere Frauen geachtet werden, die solchen Schmuckes entbehren. Es ist besser, sie bekommt einen Widerwillen gegen den Schmuck, der ihr stets zur Hand ist, als daß sie sich in Sehnsucht danach verzehrt. Genau so machte es Gott mit dem Volke Israel, als es sich nach Ägyptens Fleischtöpfen sehnte. Er sandte ihnen bis zum Überdrusse und zum Erbrechen ganze Schwärme von Wachteln. 1 Viele, die einst Weltmenschen [S. 406] waren und die Sinnenlust gekostet haben, entschlagen sich ihrer wesentlich leichter als jene, die von jung auf den Reiz der Sinne nicht kennenlernten. Die einen verachten, was ihnen vertraut ist, die anderen verlangen nach dem Unbekannten. Die einen geben sich der Buße hin und meiden die Fallstricke der Sinnlichkeit, der sie entsagt haben. Die anderen aber sehen in den Lockungen des Fleisches und dem prickelnden Reiz der Sinne Honig, um schließlich zu entdecken, daß sie ein verderbliches Gift genossen haben. 2 Honig träufelt von den Lippen der Buhlerin, der für den Augenblick der Zunge des Genießers lieblich schmeckt, aber nachher bitterer als Galle wirkt. 3 Deshalb bringt man auch bei den Opfern für den Herrn keinen Honig dar. 4 Auch vom Wachs, das den Honig in sich birgt, will man nichts wissen, und deshalb wird im Tempel des Herrn Öl gebrannt, 5 das aus den bitteren Oliven gepreßt wird. Auch das Osterlamm genießt man mit bitteren Kräutern und dem ungesäuerten Brote der Aufrichtigkeit und Wahrheit. 6 Wer diese besitzt, der wird in der Welt verfolgt werden. Deshalb sagt auch der Prophet geheimnisvoll: „Ich saß allein, weil ich mit Bitterkeit erfüllt bin.“ 7

1: Num. 11.
2: Ovid, Am. I 8,104.
3: Sprichw. 5, 3 (nach LXX).
4: Lev. 2, 11.
5: Exod. 25, 6; 27, 20.
6: Ebd. 12, 8; 1 Kor. 5, 8.
7: Jer. 15, 17 (nach LXX).

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger