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Hieronymus († 420) - Briefe
II.c. Aszetische Briefe. Pädagogische Briefe
107. An Laeta über die Erziehung ihrer Tochter

6.

Der Hohepriester Heli beleidigte den Herrn durch die Verbrechen seiner Söhne. 1 Niemand kann Bischof werden, der ausschweifende und ungehorsame Söhne hat. 2 Im Gegensatz hierzu sagt die Schrift von der Frau: „Sie wird durch Kindergebären gerettet werden, wenn sie in Glaube, Liebe, Heiligung und Keuschheit verharrt.“ 3 Wenn die Eltern für ihre erwachsenen und rechtsmündigen Kinder verantwortlich gemacht werden, dann trifft dies erst recht zu bei einem schwachen Säugling, von dem der Herr sagt, daß er nicht weiß, was rechts oder links, 4 d.h. was gut oder schlecht ist. Du achtest gewiß darauf, daß Deine Tochter nicht von einer Schlange gebissen wird. Warum solltest Du nicht mit der gleichen Sorgfalt verhüten, daß sie vom Hammer der ganzen Welt zerschmettert wird? 5 Sie trinke nicht aus dem goldenen Kelche Babylons; 6 sie gehe nicht hinaus wie Dina, um die Töchter eines fremden Landes zu schauen. 7 Ihr Gang sei nicht kokett, ihr Kleid nicht schleppend! Gift reicht man nur in Honig, und das Laster kann nur dann betören, wenn es der Tugend Schein annimmt und in deren Schatten wandelt. — Nun wirst Du sagen, wie soll ich denn das Wort der Schrift verstehen: „Die Sünden der Väter werden nicht den Kindern und die der Kinder nicht den Vätern angerechnet; vielmehr soll die Seele, die gesündigt hat, sterben?“ 8 Diese Worte gelten von solchen, welche in die Jahre der Vernunft gekommen sind, von denen [S. 394] es im Evangelium heißt: „Er hat ja das Alter, er soll für sich selbst reden.“ 9 Solange aber das Kind klein ist und wie ein Kind denkt, sind seine guten und bösen Werke von den Eltern zu verantworten, bis es zu den Jahren der Erkenntnis gelangt und der pythagoreische Buchstabe es zum Scheideweg führt. 10 Oder glaubst Du etwa, daß die Kinder der Christen, wenn sie die Taufe nicht empfangen haben, ganz allein für ihre Sünde verantwortlich sind, während die ohne Schuld bleiben, die für die Taufe nicht gesorgt haben, und dies zu einer Zeit, in welcher die Kinder nicht widersprechen konnten? Andererseits ist auch die Seligkeit der Kinder nicht ohne Gewinn für die Eltern. 11 Stand es Dir nicht frei, Deine Tochter dem Herrn anzubieten? Freilich war Deine Lage insofern eine andere, als Dein Gelübde der Empfängnis voranging. Du aber bist dafür verantwortlich, daß das Gott gelobte Kind durch Deine Nachlässigkeit keinen Schaden leidet. Wer ein lahmes, verstümmeltes oder ein mit sonstigem Makel behaftetes Lamm opfert, macht sich eines Sakrilegs schuldig. 12 Um wie viel härter wird den die Strafe treffen, der die Frucht des eigenen Leibes und eine unversehrte, reine Seele in des Königs Arme führen soll, falls er sich einer Nachlässigkeit schuldig gemacht hat?

1: 1 Kön. 2, 29 ff.
2: 1 Tim. 3, 4.
3: Ebd. 2, 15.
4: Jon. 4, 11.
5: Jer. 50, 23. „Malleus universae terrae“ ist hier die verdorbene Welt, bei Jeremias hingegen Babylon, durch das die Welt gezüchtigt wird.
6: Jer. 51, 7.
7: Gen. 34, l.
8: Ezech. 18, 4. 20.
9: Joh. 9, 21.
10: Der pythagoräische Buchstabe ist Y. Der Längsstrich bedeutet die Kindheit. Im reiferen Alter fällt die Entscheidung hin zum Wege der Tugend oder des Lasters (vgl. Persius, Sat. 3, 56 f.). Die Lesart „litterae“ (Hilberg) kann nicht richtig sein.
11: Hieronymus tritt hier gegen den noch vielfach geübten Mißbrauch auf, die Taufe bis ins reifere Lebensalter zu verschieben.
12: Deut 15, 21.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger