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Hieronymus († 420) - Briefe
II.c. Aszetische Briefe. Pädagogische Briefe
107. An Laeta über die Erziehung ihrer Tochter

13.

Ich höre Dich sagen: „Wie soll ich, eine Frau, die in der Welt steht, zu Rom inmitten des Getriebes der Hauptstadt, dies alles beobachten?“ Übernimm deshalb keine Belastung, die Du nicht tragen kannst! Wenn Du die kleine Paula mit Isaak entwöhnt und mit Samuel bekleidet hast, 1 dann schicke sie zur Großmutter und zur Tante. Dann übergib diesen kostbaren Edelstein dem Gemache Mariens und lege ihn in die Krippe des weinenden Jesuleins! Im Kloster findet sie Erziehung, sie weilt unter den Scharen der Jungfrauen, sie lernt nicht fluchen, hält Lügen für einen Frevel, weiß nichts von der Welt, lebt dahin wie die Engel. Sie ist im Fleische gleichsam ohne Fleisch 2 und vermeint, daß das ganze Menschengeschlecht ihr ähnlich sei. Du wirst, um von allem anderen zu schweigen, befreit von einer mühevollen Aufsicht und von der damit verbundenen Verantwortung. Es ist besser, Du sehnst Dich nach ihr, wenn sie nicht mehr bei Dir ist, als daß Du jeden Augenblick Dich sorgen mußt: „Was spricht sie? Mit wem redet sie? Wem nickt sie zu? Wen sieht sie gern?“ Übergib die Kleine, deren Wimmern jetzt schon eine Fürbitte für Dich ist, an Eustochium! Übergib sie ihr als Gefährtin und spätere Erbin ihrer Heiligkeit! Sie beobachte, liebe und bewundere von frühester Jugend 3 an Eustochium, deren Rede, Benehmen und Haltung eine Tugendschule ist. Sie verweile auf dem Schoße der Großmutter, die an der Enkelin erneut er leben soll, was sie bereits an ihrer Tochter erlebt hat. Sie hat in langer Erfahrung gelernt, Jungfrauen zu erziehen, zu schützen und zu unterrichten, sie, in deren Krone täglich hundert der Keuschheit neugewonnene Seelen eingeflochten werden. Glücklich die Jungfrau, glücklich Paula, des Toxotius Tochter, wenn unter dem [S. 402] Einfluß ihrer tugendhaften Großmutter und Tante der Adel der Heiligkeit den ihrer vornehmen Herkunft überragt! Könntest Du doch einmal Deine Schwiegermutter und Deine Schwester sehen und die große Seele bewundern, die in den schwachen Körpern wohnt! 4 Bei der Dir angeborenen Liebe zur Keuschheit zweifle ich nicht, daß Du Deiner Tochter mit dem guten Beispiel vorangehen und gegen das erste Gesetz Gottes das zweite des Evangeliums eintauschen wurdest. 5 Ich sehe Dich, wie Du auf den Wunsch nach weiteren Kindern verzichtest und Dich selbst dem Herrn als Opfergabe anbietest. Aber es gibt eine Zeit der Umarmung und eine Zeit der Trennung, 6 und die Frau hat nicht die Gewalt über ihren Körper; auch bleibe ein jeder im Herrn in dem Berufe, zu dem er bestimmt ist. 7 Wer ins Joch gespannt ist, der muß vorangehen, damit er den Gefährten nicht im Schmutze zurückläßt. Darum bringe in Deiner Tochter das Opfer, das Du vorläufig für Deine Person aufgeschoben hast. Anna hat ihren Sohn, den sie Gott gelobt hatte, nicht mehr zurückgenommen, nachdem sie ihn in der Stiftshütte dem Herrn überbracht hatte. 8 Sie hielt es für unschicklich, daß der künftige Prophet in einem Hause aufwachse, in dem das Verlangen nach weiteren Kindern lebendig war. Nachdem sie empfangen und geboren hatte, wagte sie nicht, mit leeren Händen den Tempel zu besuchen und vor den Herrn hinzutreten, ehe sie ihre Schuld abgetragen hatte. Nachdem sie ihr Opfer dargebracht hatte, kehrte sie nach Hause zurück und schenkte noch fünf Kindern das Leben, 9 weil sie ihren Ersten für den Herrn geboren hatte. Wunderst Du Dich über das Glück dieser heiligen Frau? Dann folge ihr nach in [S. 403] ihrem Glauben! Wenn Du Paula sendest, dann will ich — ich verspreche es ausdrücklich — ihr Lehrer und Erzieher sein. Ich will sie auf den Schultern tragen; ich, der alte Mann, werde dem stammelnden Kinde das Reden beibringen. Hierbei werde ich mir viel größer vorkommen als jener Weltphilosoph, da ich nicht einen mazedonischen König, der an babylonischem Gifte zugrunde geht, 10 zu unterrichten habe, sondern eine Dienerin und Braut Christi, die für das himmlische Reich bestimmt ist.

1: Gen. 21, 8; 1 Kön. 2, 19.
2: 2 Kor. 10, 3.
3: Vergil, Aen. VIII 517.
4: Vergil, Georg. IV 83.
5: Gen. 1, 28 enthält das alttestamentliche Gesetz, die Erde zu bevölkern, während das Neue Testament (1 Kor. 7, 7 f. 40) Enthaltsamkeit anrät.
6: Ekkle. 3, 5.
7: 1 Kor. 7, 4. 20.
8: 1 Kön, 1, 24 ff.
9: Ebd. 2, 21.
10: Aristoteles war der Lehrer Alexanders des Großen (vgl. S. 390). Dessen Tod als Folge einer Vergiftung ist ungeschichtlich.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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