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Hieronymus († 420) - Briefe
II.b. Aszetische Briefe: Mahnbriefe
147. An den Diakon Sabinianus Mahnung zur Buße

9.

Anstatt nun an Deine eigene Wunde zu denken, gehst Du noch hin und verleumdest andere? Warum zerfleischst Du mich wie ein Irrsinniger mit Deinen Zähnen, wo ich Dir stets nur zum Besten geraten habe? Gut, ich mag ein Bösewicht sein, wie Du allenthalben erzählst. Dann tue wenigstens zusammen mit mir Buße! Ich mag ein verkommener Mensch sein, wie Du vorgibst; dann folge diesem verkommenen Menschen in seinen Bußtränen nach! Sind etwa die Dinge, die bei mir Sünde sind, bei Dir Tugenden? Siehst Du darin eine Entschuldigung für Deine Vergehen, daß es noch viele Deinesgleichen gibt? O wenn doch nur einige wenige Tränen aus Deinen Augen auf die Seide und das Linnen fallen möchten, in denen Du Dir so elegant und vornehm vorkommst! Erkenne, daß Du entblößt dastehst, abgerissen, beschmutzt, ein Bettler! Die Buße kommt nie zu spät. 1 Magst Du unterwegs, als Du von Jerusalem herzogst, noch so schwer verwundet worden sein, der barmherzige Samaritan wird Dich auf sein Lasttier setzen und zur weiteren Heilung in die Herberge bringen. 2 Selbst wenn Du tot im Grabe liegst, dann wird der Herr den der Verwesung Nahen wieder auferwecken. 3 Folge wenigstens jenen Blinden, derentwegen der Herr, Haus und Erbe verlassend, nach Jericho kam. Obwohl sie in Finsternis und Todesschatten saßen, ging ihnen ein Licht auf. Als sie erfuhren, daß der Herr vorbeikommen sollte, fingen sie an, laut zu rufen: „Sohn Davids, erbarme dich unser!“ 4 Auch Du wirst sehend werden, wenn Du so rufst, wenn Du, von seiner Gnade ergriffen, Deine schmutzigen Kleider [S. 379] wegwirfst. 5 Wenn Du Dich bekehrst und Deine Sünden beweinst, dann wirst Du Rettung finden; dann wirst Du erkennen, wo Du warst. 6 Er wird Deine Wunden befühlen und die Stelle betasten, wo einst Deine Augen waren. Magst Du aus dem Mutterschoße so geboren sein, mag Dich Deine Mutter in Sünden, zur Welt gebracht haben, er wird Dich mit Hysop besprengen, und Du wirst rein werden; er wird Dich waschen, und Du wirst weißer sein als Schnee. 7 Warum krümmst Du Dich immer der Erde entgegen? Warum liegst Du so ganz im Schmutze? Sie, die achtzehn Jahre in Satans Fesseln lag, durfte wieder aufrecht zum Himmel blicken, nachdem der Herr sie geheilt hatte. 8 Was der Herr zu Kain sprach, das lasse auch Dir gesagt sein: „Du hast gesündigt? Dann höre jetzt auf!“ 9 Warum weichst Du immer weiter zurück vor dem Angesichte Gottes, um im Lande Naid zu wohnen? 10 Warum irrst Du noch immer auf dem Meere umher, statt Deine Füße auf den Felsen zu setzen? 11 Hüte Dich, daß nicht Phineas Dich mit der Lanze durchbohre, während Du mit der Madianitin buhlst! 12 Nachdem Du die Jungfrau Thamar, obwohl Du ihr Bruder und Blutsverwandter bist, geschändet hast, warum willst Du, ein zweiter Absalom, den töten, der Deine Empörung und Deinen Tod beklagt? 13 Es schreit wider Dich das Blut Naboths und der Weinberg Jezraels, d.h. des Samens Gottes. 14 Du hast ihn in einen Garten der Lust und in eine Pflanzung der Unzucht verwandelt. Dafür schuldest Du eine entsprechende Sühne. Elias, Gottes Gesandter, kommt zu Dir und droht Verderben und Untergang an. Beuge Dich und bekleide Dich einige Zeit mit dem Bußsacke, und der Herr wird zu Dir sprechen können: „Hast du gesehen, [S. 380] wie sich Achab vor mir fürchtet? Darum will ich die Strafe in seinen Tagen nicht hereinbrechen lassen.“ 15

1: Cyprian, Ad Demetr. 25 (BKV XXXIV 226).
2: Luk. 10,30 ff.
3: Joh. 11, 39. 43 f.
4: Matth. 20, 30 ff.; Luk. 38 ff.; 1, 79.
5: Mark. 10, 50.
6: Js. 30, 15 (nach LXX).
7: Ps. 50, 7 ff.
8: Luk. 13,11 ff.
9: Gen. 4, 7 (nach LXX).
10: Ebd. 4, 16 (nach LXX).
11: Ps. 39, 3.
12: Num. 25, 6 ff.
13: 2 Kön. 13, 14 ff.
14: 3 Kön. 21 יִזְרְעֶאל nach Hieronymus zusammengesetzt aus זֶרַע (Same) und אֵל (Gott).
15: 3 Kön. 21, 17 ff.(nach LXX).

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger